Es ist 20.20 Uhr. Das Hallenbad ist fast leer. Nur ein paar Frauen schwimmen unten im Becken. Die Kassiererin sitzt alleine im Eingangsbereich. Plötzlich stürmt ein maskierter Mann ins Hallenbad. Kommt direkt auf die Mitarbeiterin an der Kasse zu. Er hat ein Messer in der Hand, hält es der Frau unter die Nase und zwingt sie zur Herausgabe der Geldkassette. Der Unbekannte kann mit der Beute unerkannt fliehen.


Ins Gedächtnis eingebrannt

Genau so hat es sich am 23. Mai dieses Jahres im Zeiler Hallenbad am Schulring abgespielt. Es war ein Abend, den die Kassiererin ihr Leben lang wohl nicht mehr vergessen wird.
Auch bei Thomas Stadelmann (SPD), Bürgermeister von Zeil, brannte sich der Abend ins Gedächtnis ein. Mit Wut in der Stimme sagte er am Tag nach dem Überfall im Gespräch mit dem Fränkischen Tag: "Wir leben hier in so einem schönen Städtchen und dann müssen solche Vorfälle unseren Ruf beschädigen."


Beratung durch die Polizei

Und er versprach seinen Mitarbeitern, dass er sich in Zusammenarbeit mit der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle in Schweinfurt um ein neues Sicherheitskonzept kümmere.
Nun, vier Monate später, steht das neue Sicherheitskonzept. "Wir haben Kameras, Bewegungsmelder und ein elektronisches Türschloss angebracht", erklärt Stadelmann auf Nachfrage der Zeitung.
Gemeindemitarbeiterin Gabi Stahl, verantwortlich für die städtischen Gebäude, hat die Umsetzung des Sicherheitskonzeptes betreut. "Die Polizei hat uns beraten und wir haben die Vorschläge umgesetzt", erklärt Stahl. Wer in der Dunkelheit am Hallenbad ankommt, löst dank eines Bewegungsmelders eine zusätzliche Lampe aus, so dass der Mitarbeiter die Person vor der Glastür erkennen kann.


Mitarbeiter kontrolliert Eingang

"Der Kassierer kann dank des elektronischen Türschlosses die Türe steuern und nur dann öffnen, wenn jemand gut sichtbar vor der Tür steht", sagt die Gemeindemitarbeiterin. Zusätzlich wurden Kameras im Bad angebracht. "Über der Kasse und im Eingangsbereich befinden sich zwei Kameras", erklärt Stahl und deutet an die Decke. Diese Kameras haben sich bereits kurz nach der Anbringung bezahlt gemacht. "Es haben mal wieder ein paar Jugendliche die Scheiben beschmiert", sagt Stahl. Glücklicherweise habe die Kamera, deren Aufzeichnungen mehrere Wochen gespeichert werden, die Tat gefilmt. "Die Gesichter waren gut zu erkennen, so dass wir die Täter schnappen konnten."


Tätern keine Chance geben

Im Gegensatz zu dem Unbekannten, der im Mai die Kassiererin überfiel. Der ist noch auf freiem Fuß. Enrico Ball, Pressesprecher im Polizeipräsidium Unterfranken, erläutert den Ermittlungsstand: "Zwischendrin gab es einen Tatverdächtigen. Doch es ergab sich kein dringender Tatverdacht, so dass nun wieder gegen Unbekannt ermittelt wird."
Ein Zustand, der Gabi Stahl ärgert. Sie will in Zukunft weitere Kameras auf dem Gelände anbringen, da am Schulring immer wieder Straftaten begangen werden, die kaum aufzuklären sind.
Das Areal Schule, Hallenbad, Rudolf-Winkler-Haus und Caritashaus mit der Grundschulmittagsbetreuung und dem Jugendtreff darin hat sich, wenn man so will, zu einem Brennpunkt entwickelt. Mehrfach ist bereits in die Räume der Mittagsbetreuung und in den Jugendtreff eingebrochen worden. Zu holen gibt es dort so gut wie nichts, aber der Schaden war jedes Mal beträchtlich und der Ärger bei den Mitarbeiterinnen und der Stadt groß.
Ab und an wird auch mal eine Scheibe eingeworfen. Es klingt zwar seltsam: Aber manchmal sind die Verantwortlichen schon froh, wenn es sich "nur" um Vandalismus handelt und nicht um einen neuerlichen Einbruch.
Zu einem großen Teil kennen die Stadt und die Polizei "ihre Pappenheimer". Die Frage ist aber, ob es wie beim Überfall auf die Kassiererin des Hallenbades zur Ermittlung eines oder mehrerer Täter reicht. Kürzlich erst hat die Schule ein Schreiben der Staatsanwaltschaft Bamberg erhalten, wonach die Ermittlungen in einem Fall eingestellt wurden. Es gebe zwar einen Verdächtigen, der könne aber nicht überführt werden, hieß es. fis/ks