von unserem Redaktionsmitglied Rainer Lutz

Neustadt — Mit Tränen kennt Dieter Wolf sich aus. Der Vorsitzende des Vereins Tschernobyl-Kinderhilfe in Neustadt kennt seit Jahren die Freudentränen, wenn er Kinder aus der Katastrophenregion zur Erholung nach Deutschland holt. Er kennt auch die Tränen beim Abschied. "Die werden morgen wieder rollen", sagt er am Dienstag und fügt hinzu: "Auf beiden Seiten."
Fünf Wochen waren seine 20 Schützlinge hier. Es war die 16. Gruppe, die Wolf geholt hat. Jede hatte ihre Eigenheiten. Aber diese war für ihn ganz außergewöhnlich. Die Kinder waren diesmal im Schnitt jünger als sonst. "Sie waren so lieb, haben so sehr Geborgenheit und menschliche Zuwendung gesucht", sagt Wolf gerührt. In all den Jahren, in denen er regelmäßig in die Notregion der Ukraine fährt. In diesen Jahren, in denen er so viel Not und Leid gesehen hat, könnte er abgebrüht sein. Das ist er aber nicht. Der Abschied fällt jedes Jahr schwerer.
Doch es gibt etwas, das ihn antreibt. Der Abschied von der einen ist doch immer schon der Einstieg in die Vorbereitung für die nächste Gruppe. Das heißt für Dieter Wolf sammeln, notfalls betteln, um das Geld aufzutreiben, das der Verein braucht. Hilfstransporte in die Ukraine sind teuer. Der Aufenthalt für 20 Kinder fünf Wochen erst recht.
Doch gerade in diesem Jahr begegnete Wolf so viel Unterstützung, bekam so viel Zuspruch für seine Arbeit, dass er unbedingt im kommenden Jahr wieder Kinder holen will. "Ich bin in Neustadt mit den Kindern unterwegs, da kommt eine Frau aus einer Metzgerei und bringt Würstchen", nennt er ein Beispiel. Hier ist es ein Geldschein, der ihm zugesteckt wird, dort bringt eine Frau Sporttaschen voller heiß begehrtem Schulbedarf. "Heuer waren es die Trucker vom Club der Franken-Strolche, die unheimlich etwas auf die Beine gestellt haben", sagt Wolf. Die Kinder wurden abgeholt, mit einem extra genehmigten gigantischen Hubkonzert empfangen, in den riesigen Trucks durch die Gegend kutschiert. Am Abend kamen die Trucker zum Grillen ans Pfadfinderhaus in Fornbach, wo die Kinder wohnen. "Die wollen wieder kommen. Und die wollen uns unterstützen", sagt Wolf gerührt. Einer der Lkw-Fahrer hat spontan eine Patenschaft für eines der Kinder angeboten.

Unternehmen helfen

Die Milchwerke Oberfranken tragen etwas bei: "Ich habe dort einen Zentner Käse geholt", sagt Wolf und strahlt. Das Busunternehmen Thoenissen fährt die Kinder kostenlos nach Geiselwind in den Freizeitpark und viele Vereine aus Neustadt und dem Coburger Land unternehmen etwas mit der Gruppe oder spenden.
"Das macht mir Mut und gibt Hoffnung, dass es nächstes Jahr wieder klappt", sagt Wolf. Er verschweigt nicht, dass der Verein neue Probleme bekommen hat. Einer seiner treuesten Helfer und stellvertretender Vorsitzender Rüdiger Hummel ist verstorben. Andere Helfer sind der Belastung nicht mehr gewachsen. Der Verein braucht Leute, die zupacken, da sind, wenn sie gebraucht werden. Das gilt vor allem für die Wochen im Juni, wenn die Kinder da sind. Ständig müssen Besorgungsfahrten gemacht, Kinder zum Arzt gefahren oder einfach Essen geholt und ausgegeben werden. Wer helfen will, ist willkommen. Der Lohn ist das Glück, das jemand empfindet, der weiß, dass er geholfen hat.