von unserer Mitarbeiterin Heike Schülein

Kronach — Immer mehr - insbesondere mittelständische - Unternehmen haben Probleme, Fachkräfte für ihre offenen Stellen zu finden. Die Zahl der qualifizierten Bewerber geht zurück - zum Einen demografisch bedingt. Zum Anderen nimmt der Wunsch der Schulabgänger mit Mittlerer Reife zu, sich auf dem zweiten Bildungsweg weiter zu qualifizieren, wodurch sie dem Arbeitsmarkt als Auszubildende oft verloren gehen. Um dem Negativtrend entgegenzuwirken, bietet die staatliche Berufsschule regionalen Betrieben in Oberfranken die Duale Berufsausbildung mit Fachhochschulreife in drei Berufssparten an. Eine, die diese Gelegenheit beim Schopf gepackt hat, ist Verena Götz.
Die 22-Jährige hatte zu Beginn ihrer Ausbildung noch nichts von dem neuen Angebot gewusst. Erst in der Berufsschule wurde sie darauf aufmerksam. "Das hat mich gleich angesprochen. Das ist eine Superchance und hat viele Vorteile - insbesondere, dass es Theorie und Praxis vereint", ist sie begeistert. Ihrem Arbeitgeber gegenüber zeigt sie sich sehr dankbar, dass er ihr diese Chance ermöglicht. "In unserer Klasse ist es sehr schön. Ich bin begeistert vom Unterricht und von der Ausbildung. Ich mag die Abwechslung Betrieb und Schule. Ich bin vollauf zufrieden", freut sich die Ebersdorferin. Ein Vorteil sei auch der Blockunterricht, weil man dadurch nicht jede Woche aus dem Arbeitsalltag herausgerissen werde.

Herkömmlicher Weg verkürzt

Auch für Tobias Ernst, Lehrer für Wirtschaft und Verwaltung, liegen die Vorteile des Bildungsangebots klar auf der Hand. "Mit diesem Bildungsgang verkürzt sich der herkömmliche Weg - Ausbildung und Oberschul-Besuch - um mindestens ein Jahr", so der Lehrer.
Für die Betriebe ist dieser Ausbildungsgang ebenfalls sehr interessant, da die Schüler durch die anspruchsvolleren Unterrichtsinhalte einen erheblich größeren Wissenszuwachs erwerben könnten. Die Betriebe könnten sich selbst ihren eigenen Nachwuchs für die spätere Führungsebene ausbilden.
Dass es sich beim doppelqualifizierenden Bildungsangebot um eine effektive und wirtschaftliche Form der Personalgewinnung handele, zeigten, so der Lehrer, die Erfahrungen in den Berufsfeldern Mechatronik und Industriemechanik. Dort zeigten die DBFH-Teilnehmer bisher sowohl in der Berufsabschlussprüfung als auch beim Erwerb der Fachhochschulreife überdurchschnittliche Leistungen.
Ein Paradebeispiel dafür ist der frischgebackene Mechatroniker Manuel Kestel aus Küps, der seine Ausbildung mit einem Notendurchschnitt von 1,4 und sein Fachabitur mit 1,8 schaffte.
Der 19-Jährige hatte sich damals ganz bewusst für eine solch doppelqualifizierende Ausbildung entschieden - eine Entscheidung, die er nicht bereut hat. "Ich finde das interessanter, als die Einführungsklasse fürs Gymnasium zu besuchen. Außerdem verdient man in dieser Zeit auch gutes Geld. Die Ausbildung hat mir gefallen und in der Schule habe ich mich auch wohlgefühlt", verrät der Küpser, der Elektroinformationstechnik studieren und seinen Bachelor, eventuell auch den Master machen möchte.