"Wenn wir ihn nochmal sehen, dann wird's klappern", gab Staatsanwalt Christian Pfab dem Verteidiger Roland Kestel mit auf den Weg. Gedacht war der Satz freilich für den Mann, der neben dem Anwalt saß und dessen Werdegang bei der Gerichtsverhandlung am Dienstag ausführlich zur Sprache kam. Wegen Betrugs wird er nun neuerlich zur Rechenschaft gezogen - auf Bewährung und finanziell.
Drei Monate lang bezog der 24-jährige Lichtenfelser regulär Lohn und irregulär Arbeitslosengeld. Drei Monate lang teilte der Angeklagte dem Jobcenter aber auch nicht mit, dass er in der Zwischenzeit eine Arbeit gefunden hatte. So profitierte der Mann, dessen Vorstrafenregister ein halbes Dutzend Einträge aus wechselweise vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzungen aufwies, in der Zeit zwischen Juni und September 2015 von insgesamt 1619,20 Euro. Dachte er.


Wie der Betrug aufflog

Über einen selbstverständlichen Datenabgleich zwischen Behörden flog die Sache nämlich auf. Was Richter Stefan Hoffmann und Staatsanwalt Pfab besonders interessierte, war die Frage, ob und wann der Beschuldigte auf die Idee gekommen wäre, die Unrechtmäßigkeit seiner Einkünfte dem Jobcenter gegenüber mal von selbst zur Sprache zu bringen. Pfab fremdelte mit der Vorstellung, dass er das je habe tun wollen, Verteidiger Kestel hingegen hielt fest, dass sein Mandant mit Bürokratischem "überfordert" sei. "Ja, mit Papierkram und so Zeug", bestätigte der Angeklagte. Selbst auf anwaltliche Schreiben habe er zu antworten versäumt, führte Kestel für seinen Mandanten ins Feld.
Was Pfab am guten Willen des 24-Jährigen zweifeln ließ, war der Umstand, dass dieser einmal einen Termin beim Jobcenter hatte und, schon einmal vor Ort, eben nicht seinen Doppelverdienst zur Sprache brachte. Der richterlichen Frage, ob ihm denn nicht nach der Arbeit manchmal eingefallen sei, etwas melden zu müssen, setzte der Gefragte zu seiner Verteidigung entgegen, dass er in drei Schichten zu arbeiten gehabt hätte, was wenig Spielraum für eine Meldung oder einen Anruf gelassen habe. "Ich bin nach Hause gekommen, habe das Bett gesehen und bin reingefallen."
Doch dem Mann, dem das in drei Monaten nicht gelingen wollte, hielt Richter Hoffmann auch etwas zugute: das Überwinden einer Abhängigkeit von Cannabis und Crystal Meth, das Finden einer Arbeit und einen neuen Weg. In diesem Sinne schilderte auch Kestel den Angeklagten, hob seine Drogentherapie hervor und dass eine Haftstrafe in diesem Falle "mehr zerstören als weiterbringen" würde. Etwas anderes als eine Haftstrafe kam für Pfab jedoch nicht in Betracht. Dass das Verschulden noch "im Geldstrafenbereich" läge, hielt er "für ausgeschlossen".
Ein kurzes Zucken durchfuhr den Angeklagten, als Pfab sich beim Plädoyer versprach und anstelle von zehn Monaten Haft versehentlich von zehn Jahren sprach. Letztlich sprach sich Hoffmann für acht Monate Haft auf Bewährung aus. Im Sinne einer "allerletzten Chance". Fünf Jahre wird die Bewährungszeit währen, zudem ist dem Verurteilten neben der Rückerstattung des in Anspruch genommenen Betrags eine Geldauflage in Höhe von 2000 Euro auferlegt.