von unserem Mitarbeiter Werner Reissaus

Kulmbach/Mannheim — Die Weltmeisterschaft in Brasilien war das Thema bei einem internationalen Trainerkongress in Mannheim. Unter den Teilnehmern befanden sich nicht nur ehemalige Bundesliga-Profis wie Jürgen Kohler, Andreas Möller, Ulf Kirsten oder Markus Babbel, die allesamt auf der Suche nach einem neuen Trainer-Job sind, sondern auch Detlef Zenk. Der Coach des Kulmbacher Kreisligisten VfR Katschenreuth braucht derartige Fortbildungsveranstaltungen für die Verlängerung seiner A-Lizenz.
Stargast war Jorge Luis Pinto, der bisherige Nationaltrainer Costa Ricas. Bei der WM gehörte sein Team zu den großen Überraschungen, scheiterte es doch erst im Viertelfinale an den Niederlanden. Pinto stellte sein WM-System vor und erläuterte die Gründe für den unglaublichen Erfolg seiner Mannschaft.
Höhepunkt war eine Podiumsdiskussion mit DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock, Volker Finke (Nationaltrainer Kamerun) sowie den Bundesligatrainern Thomas Schaaf (Eintracht Frankfurt), Armin Veh (VfB Stuttgart) und Christian Streich (SC Freiburg). Wie Sandrock ("Wir haben die beste Trainerausbildung der Welt") vertraut auch Christian Streich der guten Talentförderung in Deutschland und sieht deshalb auch den Rücktritt von Kapitän Philipp Lahm gelassen: "Wir werden wieder gute Außenverteidiger bekommen", ist der Trainer des SC Freiburg sicher.
Den Erfolg der Nationalmannschaft bei der WM in Brasilien analysierten die DFB-Sportlehrer Bernd Stöber und Frank Wormuth. Ihrer Meinung nach ist die deutsche Mannschaft verdient Weltmeister geworden, weil sie sehr kompakt stand, auch nach Ballverlusten - anders als Brasilien, das nach Meinung der DFB-Trainer "überhaupt kein Defensivkonzept" hatte.
Detlef Zenk fand ihr Resümee allerdings "etwas oberflächig": "Ich war auch überrascht dass das Torwartspiel von Manuel Neuer so herausragend gewesen sein soll. Ich denke, dass der Torwart schon immer seit Einführung der Viererkette eine ganz wichtige Rolle als Not-Libero gespielt hat."

Systeme werden überbewertet

Detlef Zenk sah sich bei dem Trainer-Kongress in vielen Dingen bestätigt: "Zum einen, dass die Diskussion über Systeme wie 4-4-2, 4-2-3-1 oder 4-1-4-1 total überzogen ist. Es gibt eine gewisse Grundordnung, aus der heraus die Spieler im Grunde die Freiheit haben müssen, das Spiel zu entwickeln." Außerdem solle eine Mannschaft nicht zu sehr auf den Gegner schauen, sondern müsse ihr eigenes Spiel durchsetzen. In Zenks Fußball-Philosophie gibt es ein paar Leitgedanken: "Bei Balleroberung kompakt stehen, in Ballnähe Überzahl schaffen und bei Ballbesitz Räume finden, wohin ich den Ball spielen kann."
Detlef Zenk hat zum Beispiel "nie verstanden", dass man in Italien Laufwege trainiert. Vielmehr gelte es, "die Spieler so intelligent zu trainieren, dass sie auf dem Platz selbst Entscheidungen treffen können." Christian Streich habe dazu einen gescheiten Satz gesagt: "Eine Mannschaft hat ein gutes Spiel gemacht, wenn der Gegner hinterher nicht sagen kann, welches System sie gespielt hat." Streich wolle eben Spieler, die selbständig entscheiden können. Der Freiburger Coach sagte auch: "Intelligenter Fußball ist, die richtigen Strategien aus einer Grundordnung heraus zu entwickeln. Das hat auch Costa Ricas Nationaltrainer mit seinem System vorgestellt."
Christian Streich habe auch auch den Begriff des "schwimmenden Stürmers", die "falsche Neun" kreiert. Detlef Zenk sagt: "Und das schwimmende System mit fließenden Übergängen ist auch das, was momentan aktuell ist."
Teresa Enke sowie Jan Baßler sprachen in Mannheim über die Ziele der Robert-Enke-Stiftung. Zenk hat das nachdenklich gemacht: "Es war wirklich ein sehr beeindruckender Vortrag. Mittlerweile haben fünf Prozent aller Deutschen Depressionen. Die Wahrscheinlichkeit, dass auch ein Amateurtrainer ein, zwei Leute in seinem Kader hat, die dazu neigen, ist also groß."