Kulmbach — Im zurückliegenden Geschäftsjahr des Verbandes für landwirtschaftliche Fachbildung (VlF) Kulmbach wurde wieder eine Menge geboten. Das stellte Geschäftsführer Guido Winter bei der Hauptversammlung im Saal Gasthof Geuther besonders heraus. Im Mittelpunkt stand das Hauptreferat von Walther Lehner aus Bad Alexandersbad zum Thema "Die Landwirtschaft vor neuen Herausforderungen - Strukturen, Soziales und Markt."
Vorsitzender Reinhard Kortschack machte deutlich, dass die Aus- und Fortbildung auch in der Landwirtschaft eine nicht endende Aufgabe ist. Das Freihandelsabkommen mit den USA sei ein weiteres wichtiges Thema für die Bauern: "Viele Personen, die den Export auch für landwirtschaftliche Produkte in den Vordergrund stellen, äußern sich dazu lauthals positiv. Dass aber darüber weitgehend hinter verschlossenen Türen verhandelt wird, stimmt bedenklich."
Zur Verbandsarbeit stellte Kortschack fest, dass die Zahl der aktiven Landwirte mit dem Strukturwandel weniger wird: "Bäuerliche Nachbarschaft, Zusammengehörigkeit und gegenseitige Unterstützung, Begriffe, die das soziale Gefüge auf den Dörfern aufrecht erhalten haben, gehen zunehmend verloren."
Während der Landesverband derzeit 110 000 Mitglieder hat, hat Kulmbach um 16 Mitglieder abgenommen. Der Verband für landwirtschaftliche Fortbildung zählt gegenwärtig 835 Mitglieder, davon sind 584 männlich und 251 weiblich. Nahezu die Hälfte der Mitglieder sind über 65 Jahre alt und nur zehn Prozent unter 45 Jahren. Geschäftsführer Guido Winter: "Die potentiellen Hofnachfolger sind unterrepräsentiert, das hat natürlich auch Einfluss auf die Themenwahl."
Walter Lehner stellte heraus, dass die Landwirtschaft vor neuen Herausforderungen stehe: "Zu keiner Zeit in unserer Geschichte gab es so viel Veränderung wie in unserer Gegenwart. Jeder neuen Entwicklung in Technik, Gesellschaft, Kultur und fachlichen Bereichen gingen Ideen und ein Lernprozess voran und jede Innovation beziehungsweise Veränderung in unserem Umfeld hat auch soziale Auswirkungen." In Deutschland gibt es derzeit 285 000 Landwirtschaftliche Betriebe, davon 54 Prozent im Haupterwerb und 46 Prozent im Nebenerwerb. Das heißt, weniger als 50 Prozent des Einkommens sind aus der Landwirtschaft.
Landrat Klaus Peter Söllner betonte: "Wir sehen uns als Partner der Landwirtschaft." Für Bürgermeister Stefan Schaffranek war der zunehmende Bürokratismus ein zentrales Thema. Werner Reißaus