von unserem Mitarbeiter Markus Häggberg

Lichtenfels/Zapfendorf — Betrügerische Absicht oder Hornberger Schießen? Auf jeden Fall war die Verurteilung einer 27-jährigen Zapfendorferin wegen Betrugs unausweichlich. "Da haben Sie sich einen ordentlichen Bock geschossen", kommentierte eine kopfschüttelnde Richterin Anja Wolf-Albrecht am Amtsgericht Lichtenfels das Verfahrensende.
1000 Euro standen im Strafbefehl, der vor Zeiten der Handwerkerin zugegangen war, weil sie sich knapp 600 Euro von einem Ebensfelder geliehen hatte und nicht zurückzahlte. Gegen diesen Strafbefehl legte die Zapfendorferin Einspruch ein und so kam eine Anhörung im Amtsgericht Lichtenfels zustande.
Am 16. September 2014 und wenige Wochen später hatte sich die junge Frau erst einen Teil des Geldes geliehen, dann den anderen. Dabei wandte sie sich jeweils an denselben 30-jährigen Mann aus Ebensfeld, dem sie zwei Schuldscheine ausstellte. Der Mann wartete den Rückzahltermin ab. Er wartete länger. Noch länger. Die Frau, so der Ebensfelder, habe ihn "mit fadenscheinigen Ausreden vertröstet" - und dies mehrmals.
Bald gingen Rechtsanwaltsbriefe bei der Schuldnerin ein und blieben unbeantwortet. Dann ging der Gläubiger zur Polizei.
Die Angeschuldigte blieb bei all den Vorwürfen ruhig und hielt Rückschau auf ihr Leben. Nach der Trennung von ihrem Freund sei sie in Schulden geraten. Aber gegen den Betrugsvorwurf verwahrte sie sich: "Wie ich das (Schuldscheine) unterschrieben habe, war ich mir ziemlich sicher, dass ich es zurückzahlen kann." Zudem versicherte sie einem in dem Fall nachhakenden Polizeibeamten, ihre Bank hätte ihr mitgeteilt, dass sie auch ohne aktuell genügende Kontodeckung auf Hilfe zählen dürfe. Doch wie sich herausstellte, wurde kein Geld an den Gläubiger überwiesen.
"Tja, was soll man davon halten? Warum schwindeln Sie den Polizeibeamten an?", fragte eine kopfschüttelnde Richterin die Beschuldigte. Dann summierte die Richterin Schuldbetrag, Verfahrenskosten, mittlerweile angefallene Gerichtsvollzieherkosten und weitere unliebsame Gebühren und stellte fest, dass diese die ursprünglich geliehene Summe um ein Mehrfaches übersteigen.
Die Beschuldigte gab Auskunft über ihre finanziellen Verhältnisse und regte Ratenzahlung zur Wiedergutmachung an. "Bei Ihrer Zahlungsmoral?", entgegnete Anja Wolf-Albrecht etwas verwundert. Aber letztlich ließ sich das Gericht auf diesen Vorschlag ein, wobei er Voraussetzung dafür ist, dass die Zapfendorferin den Einspruch gegen den Strafbefehl zurückzieht. Aber auch dann übersteigen die anfallenden Kosten die Leihsumme um ein Dreifaches.