Wenn Kunden Thomas Pohl um Rat fragen, ist es oft schon zu spät. "Viele werden erst aktiv, wenn etwas passiert ist oder beim Nachbarn eingebrochen wurde", sagt der Chef einer Kronacher Sicherheitstechnik-Firma. Präventiv würden nur die Wenigsten tätig. Doch gerade Vorbeugung sei oberstes Gebot. Das müsse nicht einmal durch eine Alarmanlage sein - für Privatkunden meist das Mittel der Wahl.
Zwar freue er sich, wenn er die Anwesen von Interessenten mit diesen ausstatten und somit für mehr Sicherheit sorgen dürfe, doch oftmals würden schon Kleinigkeiten ausreichen. "Man sollte einfach möglichst wenig Hinweise geben, dass man nicht daheim ist", meint Pohl. Dazu gehöre, den Briefkasten von Nachbarn leeren zu lassen oder durch eine Zeitschaltuhr in der Wohnung Lichter an- und ausschalten zu lassen.


Was zu Einbrüchen verleitet

Das Polizeipräsidium Oberfranken hat gar einen kleinen Katalog mit Verhaltensregeln herausgegeben, die dabei helfen sollen, die eigenen vier Wände besser vor Einbrechern zu schützen (siehe Infokasten). Der Zeitpunkt ist dabei nicht ohne Grund gewählt. Denn besonders die Herbst- und Wintermonate erfreuen sich bei den Kriminellen großer Beliebtheit - schließlich erleichtert die früh einsetzende Dämmerung deren Arbeitsbedingungen.
Sind die Bewohner zudem nicht anwesend, seien die Diebe besonders schnell verleitet, erklärt Polizeipräsidium-Pressesprecher Alexander Czech. Dabei bräuchten sie nicht einmal sonderlich viel Zeit. "Entgegen landläufiger Meinungen erfolgen Einbrüche häufig auch zur Tageszeit", so Czech. Beispielsweise während der Arbeits- und Einkaufszeit, am frühen Abend oder an den Wochenenden. Denn der Einbruch durch ungesicherte Fenster oder Türen dauere oft nur wenige Sekunden. Das Hilfsmittel: meist ein Schraubendreher. "Dabei handelt es sich oft um Gelegenheitseinbrecher, die an jedem Haus und jeder Wohnung interessiert sind, wo ohne großen Aufwand schnelle Beute gemacht werden kann", weiß Czech.


Beliebte Angriffsstellen

Ein Blick auf die Einbruchsstatistik treibt allerdings weder ihm noch seinen Kollegen Sorgenfalten auf die Stirn. 406 Fälle von Wohnungseinbrüchen registrierte die Polizei im vergangenen Jahr im Regierungsbezirk. Das sind zwar 6,3 Prozent mehr als 2014 (382), doch im bayerischen Vergleich sei keine Region sicherer als Oberfranken. "Da ist es mal absolut positiv, dass wir ganz am Ende der Tabelle stehen", scherzt Czech.
Für dieses Jahr gebe es noch keine belastbaren Zahlen, "aber schon jetzt zeichnet sich eine leicht steigende Tendenz ab". Sowohl für Oberfranken als auch für den Kreis Kronach. 21 Einbrüche gab es 2015 im Landkreis, vier mehr als noch im Jahr davor (17). Gleichzeitig gehe die Anzahl vollendeter Einbrüche zurück. Knapp bei der Hälfte bleibe es beim Versuch. "Die Präventionsmaßnahmen führen dazu, dass immer mehr Täter scheitern", sagt Czech.


Zu auffällig

Das liege aber auch am richtigen Verhalten und an aufmerksamen Nachbarn. "Bei Beobachtungen sollte man sich nicht scheuen, die Polizei zu informieren." Denn je schwerer es den Tätern gemacht werden, desto eher würden sie ohne Beute wieder abrücken. Beliebte Angriffsstellen seien vor allem Fenster, Haus-, Wohnungs- oder Terrassentüren.
Abgesehen hätten es die Diebe dabei weniger auf Elektrogeräte als vielmehr auf Schmuck oder Bargeld. "Eben alles, was schnell zu greifen und zu Geld zu machen ist", sagt Thomas Pohl. Handys seien wegen der guten Ortungs- und Sperrmöglichkeiten unattraktiv geworden, Fernseher viel zu schwer und außerdem zu auffällig. "Der Schaden, der durch einen Einbruch entsteht, ist oftmals höher als der Wert der gestohlenen Gegenstände", sagt der 41-Jährige, der schon im Kreis Coburg in der Sicherheitsbranche arbeitete und sich 2011 in Kronach selbstständig machte.
Schlimmer als der materielle Verlust seien aber die psychologischen Folgen. "Die Betroffenen haben damit zu kämpfen, dass jemand in ihrer Privatsphäre war, in den persönlichsten Gegenständen gewühlt hat", erzählt Pohl von seinen Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag. "Die erzählen dann, dass sie nachts schlecht schlafen und sich überlegen, was passiert wäre, wenn sie während des Einbruchs zu Hause gewesen wären."