von unserem Mitarbeiter Harald Rieger

Bamberg — Oscar Ivo Ackermanns Vater ist gelernter Gitarrenbauer und von ihm hat er wohl auch die Begeisterung für die Musik. Er singt und musiziert seit seiner Kindheit. Seit über vier Jahren tritt er mit seiner eigenen Metal-Core-Band "Scars Of A Lifetime" auf. Durch Zufall hat sich der Wahl-Bamberger nun bei der Castingshow "Voice of Germany" beworben und den Sprung in die "Blind Auditions" geschafft.
Am Freitag hatte er seinen großen Auftritt vor Millionen-Publikum im Fernsehen. Er trat zwar, wie er selbst gestand, "mit Muffensausen" an. Doch seine Stimme und vielleicht auch die vom Vater selbst gebaute Gitarre haben ihm Glück gebracht: Trotz eines Texthängers überzeugte er gleich zwei der Juroren und ist somit eine Runde weiter. Im Interview lässt der 27-Jährige seinen großen Moment noch einmal Revue passieren und erzählt, wie es weitergehen soll.

Wann und vor allem wie haben Sie ihre Liebe zur Musik entdeckt?
Oscar Ivo Ackermann: In meiner Kindheit hatten wir zu Hause nur drei Fernsehsender zur Auswahl. Deshalb habe ich gerne die Schallplatten meines Vaters gehört. Mein Vater ist Gitarrenbaumeister und hat uns auch viel vorgespielt und vorgesungen. Das hat letzten Endes auch mich zur Musik hingeführt.

Können Sie sich noch an Ihren ersten "großen" Auftritt erinnern?
Ich war 15 Jahre alt. Mit einem Freund hatte ich eine Akustikband gegründet. Unser erster großer Auftritt war in einem Irish-Pub in Lauf.

Inzwischen haben Sie eine eigene Metal-Core-Band. Wie kam es zu der Gründung?
Streng genommen ist es schon meine vierte Band. Ich war zuvor mit einer anderen Metal-Band unterwegs, die hat sich dann aufgelöst. Mit ehemaligen Mitgliedern daraus und durch ein Musikprojekt, an dem ich mitwirkte, haben wir dann die Metal-Core-Band "Scars Of A Lifetime" gegründet. Mit ihr bin ich nun seit vier Jahren unterwegs. Wir schreiben unsere Stücke selbst und spielen auch nur eigene Stücke. Ich fungiere als Leadsänger, schreibe aber auch Lieder.

Was hat Sie bewogen, sich bei "Voice of Germany" zu bewerben?
Das war eigentlich mehr oder weniger ein Zufall. Meine Freundin arbeitet seit geraumer Zeit in München. Damals hatten wir gemeinsam eine Wohnung gesucht. Zur gleichen Zeit war auch die Scouting-Tour von "Voice of Germany" vor Ort. Ich hatte gerade nichts zu tun und die Gitarre im Auto. Da beschloss ich spontan vorzusingen. Nach ein paar Tagen bekam ich Bescheid, dass ich in den Blind-Auditions mitmachen darf.
War das Ihre erste Bewerbung bei einer Casting-Show? Und warum gerade "Voice of Germany"? Hätten Sie sich auch "DSDS" beworben?
Eigentlich überzeugen mich Casting-Shows nicht so sehr. Deshalb hatte ich mich auch noch nie bei einer beworben. Allerdings kann es schon ein Sprungbrett sein, bei so einer Musiksendung mitzumachen.
Ich selbst bin jetzt nicht zwanghaft dahinter, als Sieger hervorzugehen und erwarte auch nicht den großen Karrieresprung. Wenn sich etwas daraus ergibt, freue ich mich natürlich. Und wenn nicht, verbuche ich es als Erfahrung.
Bei DSDS hätte ich mich nicht beworben. Bei "Voice of Germany" wird doch mehr Wert auf die Stimme und das Können gelegt und weniger auf andere Dinge.

Obwohl Sie im Hardrock zu Hause sind, traten Sie bei "Voice of Germany" mit einem eher gefühlvollen Song an - nämlich mit "Heimat" von Johannes Oerding. Wieso?
Ich wollte einfach mal eine andere Seite von mir zeigen. Sprich: Ich wollte zeigen, dass ich auch eine melancholische Art besitze.

Am Ende konnten Sie sowohl Rea Garvey als auch Stefanie Kloss damit überzeugen. Was empfanden Sie dabei und warum haben Sie sich am Ende entschieden, ins Team von Rea Garvey zu gehen?
Im ersten Moment habe ich es gar nicht fassen können, dass ich überhaupt jemand überzeugen konnte, zumal ich ja noch einen kleinen Textaussetzer hatte, weil mir das Publikum so 'reingeplärrt hat. Umso megacooler war es, dass sich dann doch noch jemand umgedreht hat.
Ich kann meine Emotionen irgendwie kaum beschreiben: ein geiler Augenblick einfach.
Für Rea habe ich mich entschieden, weil wir musikalisch doch eher beide in die gleiche Richtung zielen.

Eigentlich sind Sie es ja schon von Ihren Bands gewohnt, vor Publikum aufzutreten. Was war bei dem Fernsehauftritt - es dürfte Ihr erster gewesen sein - anders?
Ein Fernsehauftritt ist schon eine andere Nummer. Mit meiner Band spielen wir in der Regel vor 800 oder, wenn es mal viel sind, vor 1200 Zuschauern. Im Studio sind Kameras auf einen gerichtet und man weiß, es schauen gerade vier Millionen Menschen zu. Das ist schon noch mal eine andere Herausforderung. Deshalb hatte ich vor dem Auftritt schon etwas ,Muffensausen'.

Nach dem ersten Etappenerfolg haben Sie sicher auch Hoffnungen? Was würden Sie sich wünschen?
Meine Hoffnung wäre es natürlich, dass durch die Sendung jemand aufmerksam auf mich wird und sagt: "Hey, der Typ ist cool. Lass uns mal etwas gemeinsam miteinander machen."
Mein Wunschtraum wäre es, eines Tages von meiner Musik leben zu können. Natürlich kann ich auch damit leben, wenn ich jetzt nicht als Sieger aus der Show hervorgehe. Ich habe schließlich einen festen Job als Gitarrenbauer, der mir auch Spaß macht.

Sie sind beruflich in die Fußstapfen des Vaters getreten?
Nicht ganz. Ich habe das Gitarrenbauen nicht als Beruf gelernt. Zunächst wollte ich Koch werden. Die Lehre habe ich aber geschmissen. Ich habe dann Kaufmann gelernt und hatte in der Zeit immer wieder zusammen mit meinem Vater an Gitarren gebastelt. Irgendwann bin ich dann beim Musikhaus Thomann in Burgebrach gelandet. Hier arbeite ich seit vier Jahren in der Werkstatt und repariere Gitarren.

Was werden wir von Ihnen in der nächsten Sendung hören?
Ich habe mich noch nicht entschieden, ob ich bei der soften Nummer bleiben werde. Generell bin ich auch offen für etwas rockigere Stücke. Wir werden sehen.

Die Fragen stellte Harald Rieger.