von unserem Mitarbeiter  Harald Rieger

Bamberg — Fast 15 Jahre lang hat Professor Wolf Strecker am Bamberger Klinikum als Chefarzt die Abteilung für Orthopädie und Unfallchirurgie geleitet. In einer kleinen Feier wurde der Mediziner nun in den Ruhestand verabschiedet.
"Sie gelten als kompetenter, versierter und erfahrener Orthopäde und Unfallchirurg, der sich stets die Tugenden Menschlichkeit und Bescheidenheit bewahrt hat", würdigte Xaver Frauenknecht, Vorstandsvorsitzender der Sozialstiftung, Streckers Verdienste. Neben seinen hohen Qualitätsansprüchen besitze er aber auch die Fähigkeit zur Selbstreflektion sowie eine gehörige Portion Schlagfertigkeit und Humor. Ferner hätte Strecker nie ein Blatt vor den Mund genommen; sei aber auch immer bereit zum Dialog und zum Kompromiss gewesen.
"Sie haben allerdings auch immer der Versuchung widerstanden, als Chefarzt alles können zu müssen. So sind unter Ihrer Führung die Sektionen Hand- und Fuß, Schulter und obere Extremitäten sowie Gelenkerhalt implementiert worden. Sie wussten, in der Spezialisierung entsteht eine bessere Qualität", resümierte Frauenknecht.


"Glücksfall für Bamberg"

Auch Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) lobte Wolf Strecker als medizinischen Allrounder: "Ob Leistenbruch, Kaiserschnitt, Darmverschluss, Knochentuberkulose, Knochenbrüche oder Verletzungen aller Art. Sie lernten einfach alles operieren. Damit waren Sie vom Wissen und Können her besonders breit aufgestellt und damit ein echter Glücksfall für Bamberg."
Der Chefarzt selbst gab sich bescheiden und dankte besonders seinem Team und Kollegen, auf deren vielen Schultern er die Aufgaben hätte verteilen können. Und er gestand, dass er eigentlich nur zehn Jahre hatte bleiben wollen. "Denn ich hasse Routine und wenn ich länger als zehn Jahre an einer Stelle bleibe, droht es, langweilig zu werden, was in Bamberg aber glücklicherweise nie der Fall war."
Wolf Strecker wurde 1950 in München geboren. Seine medizinische Laufbahn startete er 1971 mit dem Studium in München. Bereits während seines Studiums übernahm er seine fünfjährige Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Plank-Institut für Biochemie in München-Martinsried in einem Forschungsprojekt zur Leberzellregeneration, worüber er schließlich auch 1980 promovierte. Im Jahre 1986 ging er für fünf Jahre in den Kongo, wo er im Rahmen eines Entwicklungshilfeprojektes die chirurgische Abteilung eines Distriktkrankenhauses leitete. Seit 1. Juli 1997 war Professor Strecker leitender Oberarzt der Ulmer Klinik und Chefarztstellvertreter, bis er am 1. Januar 2001 die Nachfolge von Professor Wiendl in Bamberg angetreten hat. Sein wissenschaftliches Wirken spiegele sich, wie der Ärztliche Direktor des Klinikums, Georg A. Pistorius, betonte, in über 150 Originalarbeiten und 89 Übersichtsarbeiten, 30 Buchbeiträgen, sechs selbst herausgegebenen Fachbüchern und hunderten von Vorträgen wieder.
Die Stelle als Nachfolger wird Professor Peter Strohm antreten. Dieser kommt von der Uniklinik Freiburg, wo er zuletzt als leitender Oberarzt und Leiter der Sektion Kindertraumatologie tätig war. Seine Schwerpunkte sind spezielle orthopädische Chirurgie, Wirbelsäulen- und Kindertraumatologie.