Kümmel — Etwas abseits vom Kelbachgrund, mit dem Auto nur auf einer schmalen Gemeindeverbindungsstraße von Kleukheim her zu erreichen, liegt das malerische Dorf, dessen erste urkundliche Erwähnung im Jahre 1137 n. Chr. durch Bischof Otto I. von Bamberg erfolgte: Kümmel. Im Rahmen der Bayern-Tour-Natur begrüßte BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt mit diesem kleinen geschichtlichen Rückblick in der Dorfmitte 23 Teilnehmer, die sich unter der Leitung von Bernd Flieger zu einer Erkundung der landschaftlichen Besonderheiten des oberen Kümmelbachtales aufmachten.
Der Exkursionsleiter informierte über die Entstehung dieser Kulturlandschaft mit ihren Streuobstwiesen, bewaldeten Hängen und terrassenförmig angelegten Feldstücken: "Diese Landschaftsteile sind im Verlauf von Jahrtausenden von Menschenhand geprägt worden. Hätte keine landwirtschaftliche Nutzung stattgefunden, würden in weiten Bereichen Buchen- und Eichenwälder dominieren. Bunte Blumenwiesen und blühende Obstbäume, die gerade im Frühling das Auge des Betrachters erfreuen, gäbe es wohl kaum."

Oben wachsen Kreuzblümchen

Auf einem großen Hanggrundstück, das der Bund Naturschutz erworben hat, konnte man die veränderte Flora mit zunehmender Höhe beobachten. Während im unteren, nährstoffreicheren Bereich Hahnenfuß, Löwenzahn und höher gewachsene Obergräser, wie etwa der Fuchsschwanz, vorherrschen, findet man weiter oben im mageren Bereich Wiesensalbei, Kreuzblümchen, Karthäusernelke, Knöllchensteinbrech und viele andere nährstoffärmere Böden liebende Pflanzen. Noch weiter oben, im Waldsaum mit seinen Eichen und Buchen, freuten sich die Naturliebhaber über Maiglöckchen und Waldmeister. Totholz darf hier stehen bleiben, um noch etliche Jahre Lebensraum für Spechte, Kleinsäuger und viele Käferarten zu bieten. Die Bewirtschaftung des gesamten Areals sollte so erfolgen, dass die naturschutzfachliche Qualität erhalten oder sogar noch verbessert werden könne. Beispielsweise sollte die Wiesenmahd nicht zu häufig und nicht zu bald erfolgen, um das Aussamen der Blühpflanzen zu gewährleisten.
BN-Ortsgruppenvorsitzender Ludwig Wendler könnte sich mit dem Beweidungskonzept des Landschaftspflegeverbands anfreunden und meinte: "Schafe, Ziegen, aber auch Rinder sind die natürlichsten Landschaftspfleger und würden sich zum Offenhalten vieler dieser Flächen gut eignen." Bernd Flieger meinte, dass es trotz staatlicher Förderprogramme allerdings nicht einfach sei, Landwirte oder Schäfer zu finden, die das handwerklich umsetzen können und dabei auch noch wirtschaftlich erfolgreich seien.

Obstmarkt ein Erfolgsmodell

Im weiteren Verlauf der Exkursion folgte man einem reizvollen Flurweg, den man fast als Walnussallee bezeichnen könnte. Ortsprecher Rudi Hornung ließ wissen, dass etliche Nebenerwerbslandwirte ihr Obst erfolgreich vermarkten und sagte: "Der alljährliche Obstmarkt im Herbst ist ein Erfolgsmodell und neben unserer Kirchweih auch ein beliebtes Dorffest. Aber unsere Nussbäume sind inzwischen in die Jahre gekommen und der eine oder andere muss durch einen neuen ersetzt werden."
Dem Kümmelbach weiter aufwärts zur Quelle folgend, erläuterte Bernd Flieger ein Naturphänomen dieses Fließgewässers, die Tuffsteinbildung: "Es handelt sich um eine Ausfällung von Kalziumbikarbonat in einiger Entfernung von der eigentlichen Quelle am Rande des Karstgebietes." Bei der Vegetation fallen Moose, wilde Pfefferminze und im weiter abwärts liegenden Ufersaum die gelben Sumpfdotterblumen-Teppiche auf. Viele hohe Erlen lassen schon von weitem den Verlauf des Baches erahnen, der sich je nach Zuflussstärke in einzelne Teilströme aufspaltet. are