Würzburg — Bio-Essen boomt. Aber ist die teurere Bio-Tomate auch wirklich eine? Das lässt sich mit einer Analysetechnik herausfinden, an der Würzburger Wissenschaftler arbeiten. Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln hat sich weltweit zwischen 2002 und 2011 fast verdreifacht, und Bio-Lebensmittel sind teurer als herkömmlich erzeugte Produkte. Das kann Hersteller und Händler dazu verführen, konventionelle Waren als biologische auszugeben - zum Schaden der Verbraucher.
Ob Gemüse und Früchte auf biologische Weise erzeugt wurden, lässt sich mit Analysen bislang nur unzureichend klären. Derzeit könne man in Tomaten, Lauch oder Brokkoli die Isotope von Stickstoff untersuchen. "Eine eindeutige Zuordnung ist mit dieser Methode aber nicht immer möglich", sagt die Lebensmittelchemikerin Monika Hohmann, Doktorandin an der Universität Würzburg und am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.
Hohmann entwickelt darum eine andere Methode. Mit der so Magnetresonanz-Spektroskopie (NMR) erstellte sie einen Fingerabdruck der Tomateninhaltsstoffe. Nach der Auswertung zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen biologisch und konventionell erzeugten Tomaten der Sorten "Mecano" und "Tastery". Das berichten Hohmann und ihre Dissertationsbetreuer Norbert Christoph, Helmut Wachter und Ulrike Holzgrabe im "Journal of Agricultural and Food Chemistry". Die Wissenschaftler kooperieren bei diesem Projekt mit der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (Veitshöchheim).

Testreihe im Gewächshaus

Dort werden Tomaten im Gewächshaus konventionell und biologisch angebaut. Proben werden püriert und zentrifugiert. Am Ende misst Hohmann ein "1H-NMR-Spektrum". Aus den Spektren entsteht eine Datenbank, die die Unterschiede zwischen den biologischen und den konventionellen Tomaten aufzeigt.
Zu klären ist, ob die Methode auch für anderes Obst und Gemüse geeignet ist. Die Wissenschaftler sehen ihre bisherigen Ergebnisse als guten Ausgangspunkt für die Entwicklung einer verlässlichen Methode, mit der sich biologisch produzierte Tomaten und andere Lebensmittel künftig klar identifizieren lassen. Das dürfte Betrügern, die herkömmlich erzeugtes Obst und Gemüse als "Bio" deklarieren, nicht so sehr gefallen. red