von unserem Redaktionsmitglied Ramona Popp

Michelau — Ein Ferientag, vollgepackt mit Lernstoff. Aber die neun Mädchen sind freiwillig hier und erhoffen sich, "dass es cool wird", sich zu Babysittern ausbilden zu lassen. Die meisten von ihnen haben noch keinerlei Erfahrung in der Betreuung von Kleinkindern, manche zumindest jüngere Geschwister oder Verwandte, auf die sie schon mal aufgepasst haben. Melanie und Christiane, beide 15, wollen Kinderpflegerinnen werden. Ab September werden sie die Fachschule in Vierzehnheiligen besuchen. Das Wissen, das der eintägige Lehrgang in Michelau vermittelt, könnte ihnen nützlich sein, meinen sie. Eine 14-jährige Realschülerin möchte sich mit dem Kurs auf gemeinsame Zeit mit ihrer kleinen Nichte vorbereiten, die bald zur Welt kommen wird. Um den fünfjährigen Neffen kümmert sie sich schon jetzt gerne. Dass man Kinder mag, wird als Motivation genannt. Ein Mädchen räumt auch ein, dass es die Möglichkeit reizt, sich als Babysitter etwas dazu zu verdienen.
Aus welchen Gründen sich die Mädchen auch angemeldet haben, alle werden gleich erfahren, dass Babysitten eine verantwortungsvolle Aufgabe ist. Nidhila Thayalan, die als Mitarbeiterin des Mehrgenerationenhauses (MGH) den Kurs leitet, wird ihnen Wissen über die Entwicklung eines Babys, was es kann, und was es braucht, um sich wohl zu fühlen, vermitteln. Worauf man beim Wickeln, beim Baden und beim Füttern achten muss, gehört genauso zum theoretischen Teil wie geeignete Spiele und Spielzeuge sowie rechtliche Grundlagen.

Rechtliche Fragen

Da erfahren die Teilnehmerinnen - diesmal sind im Gegensatz zu früheren Kursen keine Jungs dabei - dass man höchstens bis 20 Uhr als Babysitter eingesetzt werden darf, wenn man noch keine 18 Jahre alt ist. So schreibt es das Jugendarbeitsschutzgesetz vor. Auf der Vermittlungsliste des MGHs stehen mittlerweile aber auch junge Erwachsene. Die kann Leiter Frank Gerstner einteilen, wenn etwa Eltern nachfragen, die einmal wieder gemeinsam ins Kino gehen möchten. Auf etwa ein Dutzend Kräfte kann er momentan landkreisweit zurückgreifen. Die Zahlen ändern sich ständig, junge Leute beginnen eine Berufsausbildung oder ziehen zum Studium weg und stehen dann nicht mehr zur Verfügung. Um den Stand halten zu können, wird seit 2009 jedes Jahr ein neuer Kurs angeboten. Manchmal wird gezielt an Schulen dafür geworben, um beispielsweise Jugendliche aus bestimmten Orten zu gewinnen. Die Nachfrage nach Babysittern ist laut Gerstner schwankend. In manchen Wochen werde Bedarf für drei angemeldet, in anderen Wochen gar keiner. Für Eltern ist es aber beruhigend zu wissen, dass es diese Möglichkeit gibt und dass bei den jungen Betreuern, die vom BRK vermittelt werden, ein solides Grundwissen vorausgesetzt werden kann. An der Vermittlung praktischer Kenntnisse hatte beim jüngsten Kurs der einjährige Samuel einen wichtigen Anteil. An ihm durfte nämlich das Wickeln geübt werden. Wenn er dabei ein wenig quengelte, wurden Ablenkungstricks mit der Rassel unternommen. Auch die gehörten zum Lernprogramm.