Katharina Müller-Sanke

"Die Früchte einer nachhaltigen und guten Waldwirtschaft können noch die Urenkel ernten." So machte Gerhard Lutz vom Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten in Stadtsteinach deutlich, wie nachhaltig eine gute Waldwirtschaft wirkt.
Mit einer neunteiligen Reihe aus Vorträgen und Waldbegehungen gab das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Waldbesitzern und Interessierten Grundlagen über die gute und langfristige Pflege des Waldes an die Hand. Dabei wurden natürlich auch die wirtschaftlichen Interessen der Waldbauern nicht außer Acht gelassen.


Ideale Baumarten ermitteln

Förster Peter Nützel und ein Kollege zeigten auf, wie die idealen Baumarten für jeden Standort ermittelt werden können. Im Laufe des Kurses erfuhren die Teilnehmer allerhand über den Klimawandel und den Einfluss auf die heimischen Bäume, über Bestandspflege und Holzernte, die Vermarktung und auch das Wald- und Jagdrecht.
Die Gruppe schaute sich gute und schlechte Beispiele an und konnte gemeinsam eruieren, wie die jeweiligen Wälder noch verbessert werden können. Dabei spielte auch der Boden eine wichtige Rolle. Am letzten Waldbegehungstag wurde das noch einmal besonders deutlich.


Starke Wurzeln gefragt

Im Wald bei Neudorf am Tor zum Jura oberhalb von Kasendorf trieb Peter Nützel einen Hohlbohrer in die Erde. So konnte er eine Probe entnehmen. Das Ergebnis: zehn Zentimeter Humus, darunter dichter Kalk. "Vor 15 Millionen Jahren ist hier ein Meer gewesen, Muschelkalk und vieles weitere hat sich abgelagert und bildet noch heute eine dicke Schicht", erklärt der Experte. Eine Fichte werde sich auf solch einem Boden schwertun. Es brauche Bäume mit starken Wurzeln. Eichen und Buchen zum Beispiel könnten mit dem klüftigen Boden gut auskommen, auch die Kiefer könne aufgrund ihrer flachen Wurzeln gut wachsen.
Die Gruppe ging einige Meter weiter und nahm erneut eine Probe. Das Ergebnis erstaunte die meisten Teilnehmer. Eine dicke Schicht, die sich anfühlte wie Knetmasse war hier im Boden zu finden. Peter Nützel klärte auf: "Hier zieht sich ein Ornatentonband durch den Jura. Der Boden ist völlig anders und damit auch für andere Baumarten geeignet. Der Waldbesitzer muss wissen, welchen Boden er wo hat, um seine Baumarten danach auszuwählen." Offenbar nicht ganz so einfach. Aber mit der fachkundigen Unterstützung der Förster kein Problem. Waldwirtschaft sei ein vielschichtiges Thema, und es gebe nicht die eine richtige Lösung, betonte Nützel immer wieder.


Know-how ist nötig

Viele der Teilnehmer sahen ihren Wald jetzt noch einmal mit ganz anderen Augen. "Man kann den Wald durchaus so bewirtschaften, dass man der Natur ihren Lauf lässt und man dennoch gute Erträge herausholt," betonte Gerhard Lutz. Dafür sei allerdings etwas Know-how gefragt. "Der Wald verjüngt sich von selbst, wenn wir den kleinen Pflanzen an der richtigen Stelle Licht geben, die richtigen Bäume herausnehmen. Dann hat der Waldbesitzer auch am wenigsten Arbeit", so der Fachmann. Das Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten helfe gerne weiter.