Reichlich spät zwar, doch anders als eine ihrer Kolleginnen in den 50er Jahren, kam sie nach rund zwei Stunden Warten dann doch: die amtierende fränkische Weinkönigin Christina Schneider. Zu ihrer Entschuldigung sei gesagt, dass sie zuvor noch einen Termin in München beim bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) hatte.
Traditionsgemäß lädt das Romantikhotel Messerschmitt seit sechs Jahrzehnten die Weinköniginnen nach Bamberg zur Präsentation des neuen Weinjahrgangs ein. "Bis auf ein einziges Mal in den 50er Jahren waren alle Weinköniginnen bei uns in Bamberg. Und heuer ist immerhin schon die 61. Weinkönigin im Amt", erläuterte Hotelchefin Ursula Medenwald. Allerdings wurde die Weinverkostung erst in den letzten Jahren öffentlich gemacht.
Im Mittelpunkt standen einmal mehr die ausschließlich fränkischen Weine. Insgesamt neun Winzer kamen nach Bamberg und präsentierten eine bunte Palette ihrer neuen Erzeugnisse. "Aufgrund des heißen Sommers im letzten Jahr und dem noch rechtzeitig einsetzenden Regen vor der Ernte ist es uns gelungen, einen Spitzenwein zu erstellen", schilderte Winzer Thomas Hammerich vom Weingut Bürgerspital Würzburg. Der gesamte Jahrgang 2015 bestehe somit aus erstklassigen, völlig gereiften Weinen mit vollem Aroma und einer sehr bekömmlichen Säure. Die Ernte sei sogar so erstklassig gewesen, dass die Winzer fast ausschließlich Weine im gehobenen Qualitätssegment erzeugt hätten. Einfache Schoppenweine seien fast nicht produziert worden. "Weißweine mit 100 Grad Oechsle sind beispielsweise beim Riesling keine Seltenheit", unterstrich der Winzer. Vergleichbar sei der Jahrgang 2015 durchaus mit dem des Jahres 2003, in welchem ein ähnlich trockener Sommer herrschte und den Winzern eine hohe Weinqualität bescherte.