Die Zeit des Wartens ist noch nicht vorbei. Bürgermeister Helmut Krämer informierte den Gemeinderat, dass der knappe Beschluss, bis zu vier Windräder auf den insgesamt 40 Hektar Grundstücken von Privateigentümern bauen zu lassen, nicht vollzogen werden kann. Grund ist die persönliche Beteiligung eines Gemeinderats.
Ein fertiges Modell hatte Heiligenstadt in der Tasche, um mit der Windenergie die schon 2011 geforderte Energiewende umzusetzen. Nach Informationsveranstaltungen in den einzelnen Ortsteilen befürworteten die Brunner Bürger den Bau von Windkraftanlagen. 40 Hektar Fläche zählte das dort ausgewiesene Vorranggebiet. Das war den Brunnern zu wenig, weshalb weitere 140 Hektar Fläche hinzugenommen werden sollten.
Acht Windräder sollten errichtet werden, Heiligenstadt als Betreiber, die Stadtwerke Ebermannstadt und Bamberg und die Regionalwerke Bamberg, ein Zusammenschluss von Gemeinden, der Stadt und dem Landkreis, wären mit im Boot gewesen.


Bürger dagegen

Nur befanden sich diese Flächen im Landschaftsschutzgebiet, weshalb viele Bürger Sturm liefen. Über insgesamt 180 Hektar Fläche wurde deshalb in einem Bürgerentscheid abgestimmt mit dem Ergebnis, dass rund 56 Prozent der Bevölkerung gegen die Windenergiegewinnung im Gemeindegebiet sind. Damit folgte zunächst das Aus für die Windenergie in Heiligenstadt.
Durch den Bürgerentscheid waren auch der Gemeinde Heiligenstadt die Hände gebunden. Sie durfte nicht als Betreiber mitwirken und auch keine Genehmigung erteilen. Die Bindungsfrist endete am 20. Juli dieses Jahres und fünf Grundstückseigentümer, eine Interessensgemeinschaft für den Bürgerwindpark Brunn, stellten den Antrag auf einen Bebauungsplan für 40 Hektar Fläche.
Nun ist die Nutzung von Windenergie per Gesetz so geregelt, dass die einzelnen Bundesländer selbst Abstände festlegen können. 10H nennt sich diese Klausel in Bayern und sie besagt, wenn ein 200 Meter hohes Windrad errichtet wird - und neue Windräder sind in der Regel so hoch - dann muss eine Bebauung 2000 Meter davon entfernt sein. Gleichzeitig wurde den Gemeinden aber ein Instrument zur Hand gegeben, diese Abstände zu verringern, wenn eine Gemeinde einen Bebauungsplan aufstellt. Dann würden eben 4H oder 5H als Abstand gelten.


Eine Stimme war entscheidend

Genau das forderte die Brunner Interessensgemeinschaft in ihrem Antrag. In der Novembersitzung stimmte der Gemeinderat dem Antrag mit dem knappen Ergebnis von neun zu acht Stimmen zu. "Acht Tage später erhielt der Markt einen neuen Antrag, mit der Bitte, diesen Beschluss nicht zu vollziehen, da es eine persönliche Beteiligung gebe", informierte Bürgermeister Helmut Krämer.
Tatsächlich ist eine der Grundstückseigentümerinnen die Schwägerin des Gemeinderats Dieter Friedrich. Dieser hatte mit abgestimmt, und zwar für die Ausweisung eines Bebauungsplans. Ohne dessen Stimme wäre es mit acht zu acht abgelehnt worden. "Jetzt muss der Gemeinderat neu darüber beschließen", sagt Krämer. Das wird wohl erst nach den Feiertagen Ende Januar sein.