"80 Jahre lang hat er bei der katholischen Kirche die Orgel gespielt", berichtet Armin Hoffmann aus dem Leben seines Vater Wilhelm Hoffmann, als dieser seinen 95. Geburtstag im Alten- und Pflegeheim St. Elisabeth in Neunkirchen am Brand feierte.
Auch Neunkirchens Bürgermeister Heinz Richter (FWG) kennt die Orgelspiele des Jubilars, der Woche für Woche in den verschiedenen Gemeinden spielte und vergangenes Jahr dafür ausgezeichnet wurde. Auch der stellvertretende Landrat Otto Siebenhaar (FW) nickt anerkennend. Das letzte Mal spielte Wilhelm Hoffmann die Orgel am 70. Geburtstag seines Sohns. Ein Schlaganfall hat seiner Passion inzwischen allerdings ein Ende gesetzt.


Freiwillig in den Krieg

Gerade einmal 14 Jahre war Wilhelm Hoffmann alt, als er mit dem Klavierspiel begann. Geboren und aufgewachsen in Holzwickede bei Dortmund, machte Hoffmann dort sein Abitur. Der Krieg kam dazwischen. Sein damaliger Religionslehrer, der spätere Kardinal Jäger, gab dem jungen Hoffmann einen guten Rat: "Melde dich freiwillig als Funker, dann bist du nicht an der Front." Diesen Ratschlag befolgte Hoffmann.
Am Ende des Krieges, als Wilhelm Hoffmann bei den Amerikanern in Österreich im Lager war, erfuhr er, dass die Amerikaner dieses Gebiet an die Rote Armee abgeben sollten. Die jungen Soldaten bekamen Wind davon und mit zwei anderen schlug sich Wilhelm Hoffmann zu Fuß abenteuerliche 1250 Kilometer zu Fuß bis nach Dortmund durch.
Wieder in der Heimat wurde Hoffmann Lehrer. Zunächst Volksschullehrer, dann Rektor an den Grundschulen und Hauptschulen in der Umgebung von Hamm. Drei Kinder hat der Jubilar, acht Enkel und sechs Urenkel.
Als aber seine Pensionierung anstand, sollten die Eltern nicht mehr alleine auf dem Dorf leben, sondern in der Nähe eines ihrer Kinder. Franken hat am besten überzeugt, wie Armin Hoffmann erzählt. 1993 zog sein Vater zu ihm und seiner Familie nach Neunkirchen. Selbstständig lebte und versorgte sich der Jubilar, der Mitglied bei Kolping ist. Er kochte, fuhr Auto, liebte den Computer, den er sogar auch für seine Bankgeschäfte nutzte. Mathematik war das große Hobby von Wilhelm Hoffmann, aber auch die Ahnenforschung betrieb er mit Begeisterung.
Und dann war da natürlich auch noch seine Liebe zur Orgel.