Wirsberg scheint eine echte Wildschweinplage zu haben. Denn die Wildschadenproblematik wird im Bereich der Marktgemeinde Wirsberg zunehmend dramatischer. Mit dieser Nachricht konfrontierte Bürgermeister Hermann Anselstetter (SPD) den Marktgemeinderat am Dienstagabend. In der Vergangenheit sind durch die Wildschweine zwar immer wieder Schäden am Grünland aufgetaucht, doch in diesem Jahr musste die Verwaltung im Rathaus gewaltige Schäden im Maisanbau aufnehmen. Bürgermeister Anselstetter: "Das war bisher der Gipfel, und es waren nicht weniger als 14 Ortstermine allein im September notwendig."
Was die Gemeinde bislang nicht wusste: Sie ist rechtlich für die Aufnahme der Wildschäden gar nicht zuständig, denn wenn der Bürgermeister zugleich auch das Amt des Vorsitzenden der Jagdgenossenschaft ausübt - das ist in Wirsberg der Fall - , dann ist die Untere Jagdbehörde, also das Landratsamt zuständig.
Verwaltungsleiterin Andrea Müller zeigte den bisherigen Verfahrensweg auf. So ist die Abwicklung eines Vorverfahrens von der Gemeinde notwendig, wenn keine Einigung über den Wildschaden zustande kommt. Die bisherige Praxis im Bereich der Jagdgenossenschaft Wirsberg lief so ab, dass Zweiter Bürgermeister Karl Heinz Opel die Marktgemeinde bei den Schadensermittlungen vertrat und Hermann Anselstetter kraft seines Amtes als Jagdvorsteher dabei war. Hier ist nach den Worten von Andrea Müller eine neue juristische Beurteilung eingetreten.
So ist im Falle Wirsberg künftig das Vorverfahren vom Landratsamt abzuwickeln. Das bedeutet dann im Umkehrschluss, dass ein Wildschaden im Bereich der Jagdgenossenschaft Wirsberg künftig direkt bei der Unteren Jagdbehörde anzumelden ist.
Bürgermeister Hermann Anselstetter gab zu verstehen, dass man bislang ein hervorragendes Miteinander innerhalb der Jagdgenossenschaft Wirsberg zwischen Jagdpächter und Jagdgenossen pflegte. Bei den bisherigen Wildschäden wurde auch stets eine Einigung erzielt, doch jetzt wurde mit den Maisschäden ein Ausmaß erreicht, das noch nie da war. Das hatte auch eine erhebliche Arbeitsbelastung im Rathaus zur Folge. Die derzeit geltenden Regelungen für den Landwirt hielt Bürgermeister Anselstetter für nicht zeitgemäß: "Das ist eigentlich eine Zumutung für den Landwirt und es müssen neue Regelungen her!"
So wird dem Landwirt unter anderem auferlegt, zum Beispiel sein Maisfeld jede Woche einmal zu begehen, um Wildschäden festzustellen. Nach den Schäden in den Maisfeldern kommen jetzt noch Grünlandschäden hinzu und das könne zu einer endlosen Geschichte werden, wie Anselstetter anmerkte.
Bislang habe man innerhalb der Jagdgenossenschaft die Schäden trotzdem noch gut und harmonisch über die Bühne gebracht, doch wenn es so weiterlaufe, sah Bürgermeister Hermann Anselstetter eine Daueraufgabe auf die Gemeinde zukommen: "Im Großen und Ganzen ist das Gros der Landwirte verständnisvoll und im Moment haben wir die Wildschäden mit einem Kraftakt geschafft."
Auch Zweiter Bürgermeister Karl Heinz Opel (FW) sprach von einer fatalen Lage für die Landwirte. Er zeigte auch kein Verständnis dafür, dass für die Wildsau eine Schonzeit gelte, wenn sie inzwischen längst zu einer Plage geworden ist.