Coburg — Die Veste ist Schauplatz und Schaustück der Landesausstellung zugleich: Sie ist einer der wenigen Orte in Bayern, in dem Luther längere Zeit verbrachte. Doch wie viel ist vom authentischen Ort noch übrig? Diese Frage bewegte die Coburger schon vor über 100 Jahren - und sie spielt eine Rolle in der Diskussion, ob die Veste Teil des Weltkulturerbes "Lutherstätten in Mitteldeutschland" werden kann. Die Veste war einer von zwölf Lutherorten, die zusätzlich ins schon ausgewiesene Welterbe aufgenommen werden sollten. Deutschland hat aber den Antrag zurückgezogen, weil der Internationale Denkmalrat Ablehnung empfohlen hatte. Einer der Gründe für die Ablehnung: Die vorgeschlagenen Orte seien nicht mehr authentisch.
Das trifft - in Teilen - auch auf die Veste zu. Zwar sind die Räume, in denen Luther 1530 lebte, weitgehend erhalten. Aber die Lutherkapelle ist ein Kind des 20. Jahrhunderts. Bodo Ebhardt errichtete sie in den Jahren 1909 bis 1913 neu. Den finanziellen Grundstock hatte ein Geschenk des Coburger Landtags (20 000 Mark) zur Hochzeit von Herzog Carl Eduard mit Viktoria Adelheid 1905 geliefert. Doch anstatt nur die Kapelle zu sanieren, plante der Herzog bald eine Sanierung der Burg mit Umbauten. Schon damals diskutierte Coburg heftig über die Umgestaltung der Veste. Bodo Ebhardt stellte in seinem Schreiben an "auswärtige Blätter" den Konflikt so dar: "...während es sich in Wirklichkeit bei den Widersprüchen, die laut geworden sind, darum handelt, ob der Restaurationsbetrieb für das große Publikum wie bisher im innersten Bering der Veste liegen soll oder, wie von Seiten der herzoglichen Verwaltung geplant wird, auf der Bastion hinter dem zweiten Tore und auf dem sogenannten Festungshof."
Zitiert wird all das im Coburger Tageblatt vom 3. Dezember 1909. Die Redaktion stimmt zu: Es gebe keine Einwände gegen eine Wiederherstellung der Veste. Aber das Restaurant mit Kaffeeterrasse ermögliche den Coburgern den Zutritt in die Veste, und wenn dieses verlegt würde, drohe womöglich die zeitweilige Schließung der Burg für die Öffentlichkeit.
Außerdem behauptete Ebhardt: "Zu bemerken ist noch, dass die Veste Privatbesitz des herzoglichen Hauses ist und dass die Kosten der baulichen Unterhaltung von diesem getragen werden." Die Tageblatt-Redaktion wies darauf hin, "dass die Veste Coburg Eigentum der Domäne und nur dem jeweiligen Landesherrn zur freien Verfügung überlassen ist. Die Kosten der baulichen Unterhalten werden jährlich mit 3428,57 M. aus der Domänenkasse und mit 1714,29 M. aus der Stadtkasse bestritten."
In seiner Ausgabe vom 4. Dezember 1909 legt das Tageblatt unter "Stimmen aus dem Publikum" noch eins drauf und zitiert ausführlich den neuen Prorektor der Hochschule Heidelberg, Geheimrat von Oechselhäuser. Der hatte bei seiner Antrittsrede über Denkmalpflege gesprochen und eigentlich das Heidelberger Schloss gemeint, als er sagte: "Einen würdigen, echten Wiederaufbau halte wir für unmöglich und widersetzen uns prinzipiell der Auffassung, als ob es sich beim Heidelberger Schloss lediglich um künstlerische oder technische Fragen handelte. Der Hauch des Alten und Echten ist ebensowenig definierbar wie nachahmbar."