"Den Flächenfraß stoppen" will der Bund Naturschutz - auch im Landkreis Kulmbach. Das Leitthema stand auch im Fokus eines Treffens von Mitgliedern der BN-Kreisgruppe sowie des Vereins Pro Stadtsteinach im Gasthof "Weißes Rössl".
Alwin Geyer vom Bund Naturschutz ging auf einen Bericht vom Februar ein, nach dem es eine große Diskrepanz zwischen dem erklärten politischen Willen zu nachhaltigem Wirtschaften und der Realität gibt. Obwohl die Bevölkerung schrumpfe, beanspruche das Land immer mehr an Grund und Boden.


25 Fußballfelder am Tag

"Jeden Tag verschwinden im Freistaat Bayern 18 Hektar Land, das sind 25 Fußballfelder, unter Beton und Asphalt", so Geyer. Bundesweit wären hohe Milliardenbeträge notwendig, um Straßen und Brücken zu sanieren, stattdessen würden immer neue Straßen und Umgehungen gebaut. "Und das ganze Straßennetz muss künftig von weniger und älteren Menschen unterhalten werden."
Alwin Geyer ging auf den jetzt gefallenen Startschuss für das "gigantische Bauprojekt" B 289 Ortsumgehung Untersteinach ein. Er rief die Bürger von Stadtsteinach auf, die nächsten Jahre die Baustelle im Auge zu behalten und die enormen Veränderungen in der Landschaft genau zu verfolgen. Mit dieser Umgehung werde auch eine Ost-West-Tangente von Tschechien in Richtung Coburg entstehen, die nach 2020 auch für weniger Durchgangsverkehr in Stadtsteinach Richtung Kronach sorgen werde. Geyer stellte die Frage, ob der Bau einer zweiten Ost-West-Verbindung auf der B 303 mit nochmals enormem Flächenverbrauch wirklich notwendig und erforderlich ist.
Allein die Umgehung von Stadtsteinach bedeute sechs Kilometer neue Straßen, mehr als zehn neue Brücken, Aufschüttungen und Einschnitte.
Der Landtagsabgeordnete Martin Schöffel (CSU) habe erklärt, ihm sei nicht bekannt, dass es auch Gegner der Umgehung von Stadtsteinach gibt. "Wir begleiten die Planung seit vielen Jahren kritisch. Auch in der Bevölkerung gibt es viele, die sich leider nicht deutlich bekennen. Auch die verbliebenen Geschäftsleute fürchten um ihr Geschäft, wenn alles an Stadtsteinach vorbeirast", sagte Geyer.
Der Tourismus basiere auf einer intakten Natur und einer schönen Landschaft. Eine Umgehung würde diese Entwicklung nachhaltig beeinflussen, so der Redner. Er nannte hier den Lindenhof Salem und den Campingplatz, die unmittelbar an der neuen Trasse liegen würden.
Ein Stopp der Planungen wäre seiner Ansicht nach ein politisches Signal, den Flächenverbrauch zu stoppen. Für Stadtsteinach fordere die Initiative Pro Stadtsteinach/Bund Naturschutz "Tempo 30 im ganzen Stadtgebiet" und bei Erneuerungsmaßnahmen Flüsterasphalt. kpw