von unserem Mitarbeiter Horst Schneider

Rentweinsdorf — In der Regel kommen etwa 40 Gäste zum Seniorenkreis der Kirchengemeinden Rentweinsdorf und Salmsdorf. Das am Dienstag über 90 Besucher den Marktsaal füllten, hatte einen guten Grund. Zu Gast bei einer Autorenlesung war Elfriede Eckle, die einen Großteil ihrer Kindheit im Gemeindeteil Gräfenholz verbracht hatte. Sie stellte ihren Roman "Die Bäume weinen um Regen..." vor.
Das Buch erschien Ende 2008 in einem kleinen Berliner Verlag. Momentan arbeitet die in Horb lebende Elfriede Eckle an einer Fortsetzung. Nach den einleitenden Worten von Seniorenkreisleiterin Helga Wegner und Organisator Horst Schneider berichtete Eckle, was den Anstoß zu diesem auto biografisch inspirierten Roman gegeben habe.

Versprechen an die Oma

Bei einem romanistischen Seminar in Tübingen habe sie unter verschiedenen Liedern sephardischer Juden eine Zeile erkannt, die sie immer von ihrer Großmutter Doreth Andres gehört hatte: "Die Bäume weinen um Regen". Wie sie es ihrer Oma versprochen hatte, schrieb sie daraufhin die Geschichte ihrer Familie und deren Leid unter den Nationalsozialisten auf.
"Der Roman soll ein dokumentarisches Sittenbild dörflichen Lebens zu dieser Zeit sein, nicht nur in Gräfenholz und den umliegenden Orten", so die Autorin. Elfriede Eckle las dann stellenweise sehr emotional zwei längere Passagen aus dem Werk. Die Anwesenden, darunter mehrere noch Bekannte, hörten spürbar ergriffen zu.
Die Erzählpassagen waren in einem einfachen beschreibenden Ton gehalten. Dann oft derb, brutal und mit plötzlichen Gewaltausbrüchen. Auf dem Rentweinsdorfer Kirchweihtanz im Heroldsaal 1933 fragte ein Partei-Uniformierter die fremdländische wirkende Elsa Andres, später verheiratete Hartmann: "Sie sind wohl nicht von hier?" Sie antwortete arglos, ahnte nichts von ihrer sephardischen Herkunft und schon gar nicht, wie schnell sie nicht mehr zur Dorfgemeinschaft gehören könnte. Als Erstes traf es dann ihren Tanzpartner, den Juden Mordechai Freudensprung.

Sprachloses Entsetzen

Im zweiten Teil wird der geistig zurückgebliebene Knecht Lenzer von Uniformierten abgeholt, vom Feld und mitten in der Ernte. "Sie kamen am Abend und Lenzer (Lorenz Vetter) ging einfach mit", heißt es. Solche Sätze stehen in sprachlosen Entsetzen einfach so da. Der Nachmittag wurde von Elfriede Eckles Mann, dem Pianisten und Robert-Alexander-Bohnke-Schüler, Gerhard Eckle, musikalisch umrahmt mit melancholisch nachdenklichen Stücken.