Kreis Haßberge/Tricastin — Es ist vollbracht: Die Laufgruppe aus dem Landkreis Haßberge hat ihr Ziel erreicht. Nach rund 1270 Kilometern in fünf Tagen und Nächten sind die Männer und Frauen im französischen Saint-Paul-Trois-Châteaux angekommen. Zu Fuß wohlgemerkt.
Warum das Ganze? Die seit 40 Jahren bestehende Freundschaft des Landkreises Haßberge mit dem Distrikt Tricastin war ausschlaggebend für dieses außergewöhnliche Vorhaben. Einen Tag nach dem Zieleinlauf in Eltmanns Partnerstadt Saint-Paul-Trois-Châteaux haben die Sportler endlich Zeit zum Durchschnaufen. Wie Hauptorganisator Oliver Fesser gestern erklärte, gönnen sich die zwölf Läufer und die Helfer des Teams nun etwas Ruhe. "Wir sind gerade gemeinsam beim Mittagessen mit französischen Freunden an der Ardèche", sagte er dem Fränkischen Tag am Telefon. Rund um den Fluss könne man sehr gut entspannen.

Hitze macht Läufern zu schaffen

Vor einigen Tagen war das noch anders für die Sportler aus dem Landkreis: Im ständigen Wechsel und bei sehr hohen Temperaturen spulten die Läufer Kilometer um Kilometer ab. "Durch die noch zunehmende Hitze mussten wir allerdings tagsüber das Tempo reduzieren - in der Nacht ging es dann aber umso schneller voran", beschreibt es Fesser.
Kleinere und größere Hindernisse hatte die Mannschaft immer wieder zu überwinden. Von den vier Wohnmobilen, die den Gruppen (bestehend aus je drei Läufern und einer Fahrradbegleitung) als Versorgungswagen zur Verfügung standen, fiel eines zeitweise aus. Der Dieselfilter des Fahrzeugs war die Ursache, laut Fesser ist das Wohnmobil nur noch sehr langsam gefahren, "zeitweise ist es komplett ausgegangen". In einer Autowerkstatt fand die Laufgruppe schließlich Hilfe. Zwar hatten die dort keinen Dieselfilter für das Wohnmobil auf Lager, aber dank einer Expressbestellung ging alles doch relativ schnell: Innerhalb von vier Stunden war ein Ersatzteil da und wurde eingebaut - die Reise konnte weitergehen. "Der Wagen ist tatsächlich wieder einwandfrei gelaufen, und wir konnten unsere Etappen planmäßig fortsetzen", versichert Fesser.

Ein Stück Brücke fehlt

Auch Umwege nahmen die Sportler in Kauf. Ein besonderer Fall ereignete sich kurz vor dem Ziel. "Wir überquerten kurz ein paar knackige Anstiege, hatten einen herrlichen Blick in das Rhonetal und wussten, dass es nunmehr nicht mehr weit in unsere Partnerstädte war", erinnert sich Fesser. Doch plötzlich ging es nicht weiter an: "Es fehlte einfach ein Stück Brücke", erklärt er. "Hier war es gut, dass es bereits wieder hell war, denn die Absicherung entsprach ganz und gar nicht unseren deutschen Gewohnheiten."
In Montelimar haben sich laut Fessers Reisebericht dann alle vier Gruppen das erste Mal gemeinsam seit Samstag wieder getroffen und alle interessanten Erlebnisse, Durchschnittszeiten, Eindrücke von der Strecke und Anzahl der nicht geschlafenen Stunden ausgetauscht.

Gemeinsam zum Endspurt

"Die Stimmung vor den letzten 40 Kilometern war phänomenal", sagt Fesser. Die letzten drei Etappen seien dann untereinander aufgeteilt worden. "Zunächst steuerten wir im Team mit den französischen Läufern Donzère - die Partnerstadt von Königsberg - an. Am Ortseingang versammelten wir uns alle und liefen dann gemeinsam durch die Straßen von Donzère bis zum Rathaus."

Umjubelter Ziellauf

Dort stand Landrat Wilhelm Schneider (CSU) mit Eltmanns Bürgermeister Michael Ziegler (CSU) und den Vertretern des deutsch-französischen Freundeskreises und vielen französischen Freunden erwartungsfreudig zum Empfang bereit. "Lange konnten wir uns nicht aufhalten, und schon ging es weiter nach Pierrelatte", berichtet Fesser weiter. Nach einem Lauf durch die Stadt sei die Gruppe auch hier am Rathaus von der Bürgermeisterin begrüßt worden, bevor es auf die finale Etappe nach Saint-Paul-Trois-Châteaux ging. Von einer Polizeieskorte der "Police municipale" eskortiert, haben die Sportler die letzte Etappe zusammen absolviert - alle deutschen und französischen Läufer und Radfahrer, inklusive Landrat Schneider. "Ich gebe zu, auf den letzten Kilometern kam neben riesengroßer Freude auch ein wenig Wehmut auf, dass es schon bald vorbei sein würde", sagt Fesser. Doch ob der Leistung der Laufgruppe waren natürlich alle in Feierlaune: "C`est fait, wir haben es geschafft!", schreibt Fesser in seinem Strecken-Tagebuch. al/red