Mit Gerhard Summerer hatte sich die Kulmbacher Bank zu ihrem Wertpapier-Forum zum wiederholten Male eine herausragende Führungskraft aus New York eingeladen. Der Präsident der DZ Financial Markets LLC ging auch auf die möglichen Folgen der Präsidentenwahl in den USA auf die internationalen Kapitalmärkte ein. Der Schock der "selbst beigebrachten Niederlage" sitze bei vielen Amerikanern tief, auch bei ihm, sagte er.


"Fleischwunden beigebracht"

"Die Verliererin hat sich die Fleischwunden selber beigebracht", sagte Summerer. Die Vorwürfe der Korruption seien Hillary Clinton nie bewiesen worden. Donald Trump bezeichnete der Banker als verbalen Molotow-Cocktail-Werfer   "Wenn dann die Flammen emporschlagen, rennt er weg." In Zukunft aber werde Trump Verantwortung übernehmen müssen. Der Referent war überzeugt, dass die Republikaner ihren Gewinn aggressiv umsetzen werden. Die große Frage werde sein, ob der künftige Präsident von der Parteiführung und deren Interessengruppen kontrolliert werden könne.


Mauer schafft keine Arbeitsplätze

In den letzten Handelstagen vor der Wahl hätten Kursabsicherungsgeschäfte Druck auf die Wall Street ausgeübt, sagte Summerer. Nach dem Überraschungssieg seien die Kurse in die Höhe geschnellt. "Obwohl die Grand Old Party die Wirtschaftskompetenz einzig für sich beansprucht, ist es für Anlieger langfristig besser, sich unter demokratischen Präsidenten im Aktienmarkt zu engagieren. Mit einer großen Unterstützung vom Aktienmarkt kann der nächste Präsident nur zu Beginn seiner Amtszeit rechnen."
Weder eine Mauer an der Grenze zu Mexiko noch ein Handelskrieg mit China würden in Amerika einen Arbeitsplatz schaffen, fuhr der Experte fort. Anhand eines Chartbildes zeigte er auf, dass es nach der ersten Jahreshälfte 2017 ungemütlich im Aktienmarkt werden könnte. Vorerst habe der deutsche Aktienindex jedoch Aufholpotenzial zum amerikanischen Markt.
Auch der Vorstand der Kulmbacher Bank, Stephan Ringwald, war in seiner Begrüßung im Achat-Plaza-Hotel auf die Präsidentenwahl in den USA eingegangen. Am Ende des Wahlkampfes habe man ein tief gespaltenes Amerika gesehen und zwei Lager, die sich "fast erbarmungslos, zumindest verbal bekriegten". Ringwald zitierte noch die Chefredakteurin eines Wirtschaftsmagazins: "Vielleicht ist es eine biblische Prüfung, der sich das amerikanische Volk derzeit unterziehen muss. Statt Heuschrecken, Pest oder Finsternis ist Donald Trump über die Amerikaner gekommen. Doch ein erschreckend großer Teil der Bevölkerung glaubt, er sei Moses und wartet darauf, dass er nach dem Wahltag mit gezogenem Schwert vorangeht, das Wasser teilt und sie wieder ins gelobte Land führt."
Gerhard Summerer lebt seit 30 Jahren in Amerika, seit 15 Jahren ist er Präsident der DZ-Bank. Rei.