Bamberg — Schwimmen in der Schule? "In allen Grundschulen wird grundsätzlich der Schwimmunterricht für die Schulkinder angeboten. Laut Lehrplan sollte das in allen vier Jahrgangsstufen der Fall sein", weiß Barbara Pflaum, Schulamtsdirektorin. In der Realität sieht das aber oft anders aus. Es werden immer weniger Schulen, die diese Art von Sportunterricht anbieten können. Dabei ist es doch gerade so wichtig, dass Kinder Schwimmen lernen, um sich in Notsituationen womöglich selbst das Leben zu retten.
In der Stadt und im Landkreis Bamberg bietet immerhin noch jede Schule Schwimmen an. Zwar nicht in jeder, aber in mindestens einer Jahrgangsstufe. In allen Grundschulen in Bamberg fährt die dritte Klasse zum Schwimmunterricht. In der städtischen Wunderburgschule zum Beispiel fahren alle Drittklässler mit dem Bus für zwei Stunden die Woche ins Bambados. "Aus schulorganisatorischen Gründen fährt nur die dritte Klasse ins Schwimmbad", so Sport- und Schwimmlehrer Bernd Riemke. Es gibt nicht genug für den Schwimmunterricht qualifizierte Lehrer, um allen Klassen den Unterricht zu ermöglichen. Riemke erklärt: "Wenn mehrere Klassen gehen, müssten ja auch immer dieselben Lehrer mit und das ist stundenplantechnisch nicht möglich. Außerdem möchten wir eine faire und gerechte Verteilung gestalten. Das heißt, wenn nur eine vierte Klasse schwimmen darf, dann ist das für die anderen Viertklässler unfair."


Spezielle Ausbildung des Lehrers

Was genau qualifiziert eine Lehrkraft dazu, Schwimmunterricht zu erteilen? Der Lehrer muss interne Lehrgänge erfolgreich bestanden haben. Diese beinhalten zum einen taktische Tipps und zum anderen die Ausbildung zum Rettungsschwimmer. "Inzwischen aber ist bereits im Sportstudium die Zulassungsvoraussetzung zum ersten Staatsexamen, dass man das Rettungsschwimmabzeichen sowie das deutsche Sportabzeichen in Bronze und einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert hat", erklärt Professor Stefan Voll, Leiter der Forschungsstelle für Angewandte Sportwissenschaften an der Universität Bamberg. Das bedeutet, dass in Zukunft die angehenden Sportlehrer sowieso schon qualifiziert sein werden. Und diese Qualifikation ist wichtig, denn "im gesamten Sportunterricht und ganz besonders im Schwimmen, steht die Sicherheit der Kinder im Vordergrund", so Pflaum.
So gehen die Drittklässler der Wunderburgschule also mit zwei Sportlehrern und einer Lehramtsanwärterin ins Bambados, welches zwei Lehrschwimmbecken und viele Materialien zur Verfügung stellt. Zeitgleich sind auch noch die Drittklässler der Rupprechtschule im Schwimmbad. Die vier Klassen werden also zusammen unterrichtet und in drei Gruppen aufgeteilt. Es gibt die Nicht-Schwimmer-Gruppe, die Gruppe mit den Kindern, die noch etwas üben müssen, um sicherer zu werden und die sehr guten Schwimmer. Zwar haben sie zwei Schulstunden Schwimmen, aber auf zwei Stunden Schwimmunterricht die Woche kommen sie deshalb noch nicht. "Die Schüler müssen erst zum Schwimmbad fahren, sich umziehen und nach dem Unterricht noch duschen. Insgesamt kommen wir also auf eine Nettoschwimmzeit von 35 bis 40 Minuten", so Riemke.


Hallenbad muss in der Nähe sein

Es gibt aber auch noch andere Voraussetzungen für den Schwimmunterricht. "Es muss ein erreichbares Hallenbad vorhanden sein", erklärt Pflaum. Und das ist gerade im Umland oft nicht der Fall. Ab einer bestimmten Entfernung zum Schwimmbad sollte eine Schule die Frage stellen, ob es wirklich Sinn macht, ins Schwimmbad zu fahren. Denn wenn man bedenkt, dass schon die Wunderburgschüler ein Hallenbad in der Nähe haben und trotzdem nur auf eine Schwimmzeit von 35 Minuten kommen, so muss man abwägen, ob es sich bei einer größeren Entfernung überhaupt noch lohnt, Schwimmunterricht anzubieten.
Die Grundschule in Stadelhofen zum Beispiel fuhr jahrelang ins Schwimmbad nach Memmelsdorf und das sogar mit allen zweiten, dritten und vierten Klassen. "Unsere Schule hat keine eigene Turnhalle, somit müssen die Schüler sowieso auch für den Sportunterricht woanders hinfahren", so Schulrektorin Stephanie Sturm. Und so sind die Schüler jeweils für zwei Stunden circa 25 Kilometer nach Memmelsdorf gefahren, damit die Schüler sowohl Sport- als auch Schwimmunterricht haben können. Inzwischen aber fahren die Klassen der Grundschule ins elf Kilometer entfernte Hollfeld. Sturm erklärt:"Die Entfernung war einfach zu weit. Jetzt fahren die Kinder nur noch zehn bis 15 Minuten, anstatt der 30 Minuten nach Memmelsdorf."
Fakt ist: "Zum Erlernen des Schwimmens im Vorschulalter ist die Initiative der Eltern notwendig - sie bringen dem Kind entweder selbst das Schwimmen bei oder melden das Kind zu einem Schwimmkurs an. Das ist natürlich stark vom Freizeitverhalten der Familien abhängig", so Pflaum.
Kindern das Schwimmen beizubringen, damit sie sich in Notsituationen womöglich selbst das Leben retten können, ist also nicht nur Aufgabe der Grundschule, sondern vielmehr der Eltern.