Die Deutschen sind ein Volk von Erben, heißt es. Laut einer Studie der Postbank kam jeder Dritte mindestens einmal auf diesem Wege zu Besitz. Weitere 23 Prozent gehen zudem von einem künftigen Erbe aus. Nicht alle, die erben, sind aber bereit, den Nachlass, der ihnen zufallen soll, anzunehmen.
Wenn es keine gesetzlichen Erben gibt oder Erbberechtigte eine Erbschaft ausschlagen, etwa weil Schulden damit verbunden sind, kommt am Ende meist der Staat ins Spiel. In der Regel wird dann das Land, in dem der Erblasser zuletzt wohnte, zum Erben berufen. Denn der Staat kann ein Erbe nicht ausschlagen. Dass die Zahl solcher Fälle größer ist, als man glauben möchte, ist am aktuellen Immobilienangebot des Freistaats Bayern abzulesen. In der Rubrik Nachlassimmobilien finden sich allein sieben Angebote aus Unterfranken. Zwei betreffen den Landkreis Bad Kissingen. In einem Fall handelt es sich um Bauerwartungsland ohne gesicherte Erschließung im Kissinger Stadtteil Albertshausen. 980 Quadratmeter im Bereich Rosenäcker II möchte das Immobilienunternehmen des Freistaats veräußern. Als Preisvorstellung werden 35 Euro pro Quadratmeter genannt.
Ein paar Kilometer weiter, in der Ortsmitte von Elfershausen, ist ein denkmalgeschütztes Wohnhaus im Angebot. Das zweistöckige Anwesen weist laut Immobilien Freistaat Bayern eine Wohnfläche von 175 Quadratmetern auf. Das Grundstück wird mit 262 Quadratmetern angegeben. Der Ursprung des stattlichen Hauses liegt laut Exposé im Jahr 1551.
Dass es sich nicht um ursprünglich staatseigene Immobilien handelt, stellt das Unternehmen des Freistaats in jedem Fall heraus. Erlöse aus dem Verkauf dienten vor allem "der Tilgung von Nachlassverbindlichkeiten", heißt es. In der Regel seien die Liegenschaften "mit Gläubigerforderungen behaftet".
Gleich drei Nachlassimmobilien listet immobilien.bayern.de für den Nachbarlandkreis Rhön-Grabfeld auf. Ein Objekt liegt in der Altstadt von Fladungen. Eine Preisvorstellung für die Doppelhaushälfte von 1800 mit drei Nebengebäuden nennt das Angebot nicht. Vertragsverhandlungen laufen, heißt es.
Das gilt auch für ein Wohnhaus in Sondheim v. d. Rhön. Das Wohnhaus mit Nebengebäuden und Garagen stammt aus dem Jahr 1971 und verfügt über 214 Quadratmeter Wohnfläche. Ein voll erschlossener Bauplatz im Geltungsbereich des Bebauungsplans Am Rossbachgraben steht aus Mellrichstadt auf der Liste der Angebote. 1286 Quadratmeter ist das Gelände groß. Eine Eigentumswohnanlage sollte darauf errichtet werden. Doch die Pläne wurden nicht verwirklicht. Bei den beiden anderen unterfränkischen Objekten handelt es sich um ein Stück Wald in Schneeberg (Kreis Miltenberg) und eine Hofstelle in Böttigheim (Kreis Würzburg).