von unserer Mitarbeiterin Gerda Völk

Lichtenfels — Dr. Andreas Flessa, Chefarzt der Frauenklinik im Lichtenfelser Klinikum, kennt die Probleme von Frauen mit Handicap. Für Frauen und Mädchen mit Behinderung ist der Gang zum Frauenarzt noch immer voller Hürden. Sei es, dass die Praxis in den oberen Stockwerken liegt und für Rollstuhlfahrerinnen ohne Aufzug nicht erreichbar ist. Oder dass die Türen nicht breit genug sind, die Behandlungszimmer zu klein, die Liegen zu schmal und der Patientendurchlauf in der Praxis zeitlich eng getaktet ist. Gerade Frauen mit Handicap benötigen oft mehr Zeit als üblich.
Zumindest in Lichtenfels soll sich die Situation für Betroffene ändern. Am Lichtenfelser Klinikum sollen sie in absehbarer Zeit die Möglichkeit erhalten, sich ohne Umwege über Haus- oder Frauenarzt behandeln zu lassen. Dr. Flessa und sein Team haben gemeinsam mit Krankenhausdirektorin Eva Jungkunst und Gabriele Dutiné vom Regiomed-Verbund eine Versorgungsstruktur für weibliche Behinderte entwickelt, um jede Patientin entsprechend behandeln zu können. Das Lichtenfelser Klinikum verfüge über eine gute Ausstattung sowohl von den Geräten her als auch von der Personalausstattung und der Motivation der Mitarbeiter her.

4000 weibliche Behinderte

In der Bundesrepublik gibt es bislang nur fünf Einrichtungen, die eine umfassende Versorgung weiblicher Behinderter ermöglichen. In ganz Bayern bieten gerade einmal zwei Anlaufstellen ambulante Sprechstunden an, nämlich Erlangen und die Helios-Klinik in Dachau. Dass ein entsprechender Bedarf auch im Landkreis Lichtenfels vorhanden ist, zeigen schon die Zahlen. Von den 7500 Menschen mit Behinderung stellt das weibliche Geschlecht mit 4000 Betroffenen die stärkste Gruppe.
Dass die Suche nach einem niedergelassenen Gynäkologen oft voller Hürden ist, die nicht selten unüberwindbar sind, weiß auch Manfred Robisch, der Behindertenbeauftragte des Landkreises. Ähnlich sieht es auch Christian Behner, der stellvertretende Gesamtleiter von Regens Wagner Burgkunstadt. "Wir haben Probleme, mit unseren Bewohnerinnen in gynäkologische Praxen zu kommen." Hinzu kommt, dass neben räumlichen und organisatorischen Hindernissen auch ein größerer Behandlungsaufwand hinzukommt. Frauen mit geistigen Einschränkungen brauchen eine leicht verständliche Sprache und eine einfühlsame Unterstützung im Umgang mit der Behandlung. Manfred Robisch begrüßt die Schaffung einer ambulanten Anlaufstelle am Lichtenfelser Klinikum. Sinnvoll wäre seiner Meinung nach die Erstellung eines Flyers zu frauenspezifischen und gynäkologischen Themen, der an die Betroffenen verteilt werden sollte. Landrat Christian Meißner freut es, dass sich das Klinikum der Frauen mit Handicap, insbesondere auch der werdenden Mütter mit Behinderung annimmt und ein besonderes Augenmerk auf sie richtet. "Sobald wir grünes Licht von den Behörden haben, fangen wir an", sagt Dr. Flessa. Am liebsten würde er schon am Montag beginnen.