VON Stefan Sauer

Schweinfurt — Mitte Juni letzten Jahres hat Waltraude Lindner (92) ihr Häuschen, Leislerstraße 22, verkauft. Eigentümer der Immobilie ist seither ein Architekt. Trotzdem haben die Stadtwerke Schweinfurt von ihrem Konto noch in diesem Jahr zweimal 60 Euro und einmal 742,37 Euro abgebucht - zu Unrecht.
Um die finanziellen Dinge der früheren Hauseigentümerin kümmert sich ihr Sohn Günther Welzel. Ihm sind die drei Lastschriften der Stadtwerke sofort aufgefallen. Aus diesen geht nicht hervor, für welche Leistung das Geld abgebucht wird. Kryptische Zahlenfolgen stehen im "Verwendungszweck", und Rechnungen für die drei Abbuchungen sind nicht gestellt worden.

Drei Lastschriften

"Zum 1. Dezember 2013 wurden alle Anschlüsse bei den Stadtwerken gekündigt, schriftlich im Service-Center am Roßmarkt", schreibt Welzel an diese Zeitung. Und: "Ich muss ja davon ausgehen, dass damit auch alle Abbuchungen wegfallen." Alle Abgaben seien bis Ende Juni 2014 bezahlt worden. Er habe die Stadtwerke schriftlich mit Kopie des Kaufvertrages und seiner General-Vollmacht benachrichtigt, dass das Haus verkauft worden sei.

Nach Beschwerde vertröstet

Mit Schreiben vom 19. Januar und Kopie des Kaufvertrages belegte Welzel der Stadtkämmerei gegenüber erneut, dass seine betagte Mutter nicht mehr Eigentümerin des Hauses ist. Dennoch wurden wenig später in drei Akten insgesamt 862,37 Euro abgebucht. Welzel ließ die Lastschriften stornieren und ist stinksauer, dass eine Mitarbeiterin der Stadtwerke ihn auf seine telefonische Beschwerde am 4. März auf den 9. März vertröstet mit den Worten, der Vorgang müsse noch geprüft und beim neuen Hauseigentümer nachgefragt werden, ob das alles in Ordnung sei. Am 9. März sei ihm auf seine erneute Nachfrage wieder nur gesagt worden, es werde noch geprüft.
Daraufhin hat sich Günther Welzel an diese Zeitung gewendet in der Hoffnung, sie könne - nachdem sie vor Ort und näher am Geschehen sei - vielleicht mehr erreichen. Welzel und seine Mutter leben nämlich in Wangerland, an der Nordsee.

Plötzlich geht's schnell

Nach der schriftlichen Anfrage dieser Zeitung am Dienstag bei den Stadtwerken ging alles recht schnell. Am Mittwoch hieß es in der Antwort der Pressesprecherin: Der "Shared Service-Leiter" Franz Süberkrüb habe sich "umgehend persönlich um die Anfrage gekümmert, um in der bestehenden Beschwerde schnellstmöglich für Abhilfe zu sorgen". Ein "interner Fehler" habe "für die unberechtigte Forderung an Frau Lindner gesorgt". Diesen Fehler habe "man sofort behoben" und sich "in einem Telefongespräch gestern am Dienstag persönlich entschuldigt und den Fall abschließend geklärt". Frau Lindner werde "zukünftig keine Rechnungen für ihr verkauftes Haus von uns erhalten".

Keine Erklärung

In dürren Worten entschuldigte sich Süberkrüb am Mittwoch in einer E-Mail für "entstandene Unannehmlichkeiten". Welzels "Anfrage" sei "intern geklärt" worden, es bestünden keine Forderungen der Stadtwerke mehr an Frau Lindner.
Wie es zu diesen - für die Stadtwerke peinlichen, für Wenzel und seine Mutter aber mit allerhand Aufwand und Aufregung verbundenen - unberechtigten Abbuchungen kommen konnte, hätte der Beschwerdeführer gern gewusst. Die Stadtwerke erklären ihm das aber nicht.
Für Welzel ist deshalb die magere Entschuldigung so nicht ausreichend.