Der Endspurt um den Titel "Fotograf des Jahres" wurde bei den Michelauer Fotofreunden mit dem Bild des Monats Dezember eingeläutet. Jeder konnte dabei noch einmal tief in sein Bilderarchiv greifen, denn das Thema war frei. Extrem spannend war der Wettbewerb auch deshalb, weil drei Fotografen das Rennen unter sich ausmachen würden, von denen keiner den genauen Punktestand kannte.
Herbert Steiner, Helmut Kober und Klaus Gagel waren, das verrät auch ein Blick in die neu gestaltete Homepage des Vereins, 2015 in Michelau das Maß aller Dinge. Lediglich Bruno Vogler aus Lichtenfels schaffte so wie sie die hohen Anforderungen von zwölf Teilnahmen im Jahr.
Auch beim Bild des Monats machten die drei Erstgenannten die Spitzenplätze unter sich aus. Dabei überraschte Helmut Kober die Juroren mit einer neuen Technik, die man so, zumindest in Michelau, noch nicht gesehen hatte. Seine Aufnahmen entstanden im Zusammenspiel von Licht, Farbe und Vibration. Dazu wurde ein am Boden liegender Lautsprecher mit einer Folie überzogen, auf die verschiedene Acrylfarben in kleinen Mengen aufgetragen wurden. Beim Einschalten des Lautsprechers begannen die Farbtropfen durch die rhythmischen Bewegungen der Lautsprechermembran hochzuspringen. Skurrile Farbgestalten tanzten in der Luft, umgeben von bunten, sich vermischenden Farbtropfen. Diesen kurzen Moment galt es, im Bild festzuhalten.
Die interessanteste Kreation gelang Helmut Kober mit dem Siegerbild "Splash". Hier wurden Farben in unterschiedlicher Verdünnung verwendet. Aus einem blaugrün schillernden Trichter formte sich eine bizarre Farbgestalt vor einem schwarzen "Nachthimmel".
Duplizität der Ideen: Nicht mit Acrylfarben, sondern mit Wasser hatte Herbert Steiner experimentiert. Dabei nutzte er das physikalische Phänomen, dass Wassertropfen, wenn sie auf eine ruhige Wasserfläche auftreffen, in der Reflexion ebenfalls interessante Gebilde zaubern können. Sein Wassertropfen, der auf einem dünnen "Flaschenhals" zu schweben schien, schillerte zusätzlich in allen Regenbogenfarben, was durch einen hinterlegten Farbkarton erreicht wurde. Mit diesem "Wasserspiel" belegte er einen zweiten Platz.
Einen weiteren zweiten Platz sicherte er sich mit einer interessanten Bildbearbeitung, bei der er eine tanzende Ballerina in ein Wasserglas hineingezaubert hatte. Dies löste zwar eine kurze Diskussion darüber aus, wie weit die Möglichkeiten der Bildmanipulation gehen dürfen, da will man bei derartigen Fotowettbewerben auf die kreativen Möglichkeiten der modernen Bildbearbeitung nicht mehr verzichten.
Ganz klassisch hatte Klaus Gagel seinen Kater Charly auf dem Dach eines Holzhauses gegen den blauen Himmel fotografiert. Die Aufnahme überzeugt durch ihre brillante Schärfe und den fixierenden Blick des kleinen Raubtiers.
Eine Überraschung gab es auf dem dritten Platz, wo Susanne Gagel als neues Mitglied auf sich aufmerksam machte. Ihr "Herbstwald" war eine bezaubernde Gegenlichtaufnahme bei der die hellgrünen Nadeln einzeln stehender Lärchen vor einem dunklen Hintergrund von innen heraus leuchteten.