Tobias Kindermann

Vielleicht geben einem diese beiden kleinen Erzählungen einen Eindruck davon, warum der scheidende Polizeichef Willbert Lankes an diesem Tag im Kaisersaal so oft als ein ganz besonderer Polizeileiter beschrieben wird. Kreisbrandrat Timm Vogler darf als Grußredner vor voll besetzten Reihen mit Vertretern auch aus Gesellschaft und Politik den Dank der Hilfsorganisationen wie Feuerwehr, THW und BRK überbringen. Er schildert seine erste Begegnung mit Willibert Lankes. "Es war in der Nacht vom 19. auf den 20. Januar 2001. Es war einer der schrecklichsten Unfälle. Ein Wagen mit fünf Jugendlichen war hinter Lettenreuth von der Straße abgekommen. Wir konnten nach 90 Minuten nur den Fahrer noch lebend retten." Lankes war damals noch nicht Leiter der Polizei Lichtenfels, aber sein Wechsel stand kurz bevor. "Schon vor Ort hat er mit vielen Helfern ruhig Gespräche geführt und ein paar Tage später ein Treffen organisiert, damit alle Helfer über die Erlebnisse sprechen konnten, um sie zu verarbeiten." Hilfe für Helfer, das war zu der Zeit, als Willibert Lankes nach Lichtenfels kam, noch kein Thema. Er gehörte zu denjenigen, die diese Hilfe später federführend anschoben.
Und der zweite Punkt? Wenn er einen Wunsch hätte, was man bei der Polizei ändern sollte? Da lacht er und sagt: "Mit einem war ich nie zufrieden - und das ist die Qualität unserer Diensthosen. Die haben immer furchtbar gekratzt, vor allem im Sommer. Der Tragekomfort stand bei der Beschaffung wohl an letzter Stelle."
Was er immer an seinem Beruf gemocht hat? "Die Abwechslung, die Bandbreite. Man muss sich auf viele Menschen einstellen, man hat es mit Leuten zu tun, die schwere Rechtsbrüche begangen haben, mit Leuten aus allen Gesellschaftsschichten."
Und was fiel einem schwer? "Die schlechten Nachrichten zu überbringen, etwa bei Unglücksfällen. Da hab ich mich sehr schwer getan. Man nimmt ja auch Anteil, man ist ja auch Mensch." Und die schönsten Begegnungen? Da nennt er eine, wo er nicht als Polizist gesehen wurde, sondern er mit Hans-Jürgen Buchner, dem Kopf der Gruppe Haindling - nach den Songs an einem Sommerabend zusammensaß und der Lieder bis in die Morgenstunden hinein spielte. "Da haben wir fast noch den Sonnenaufgang über dem Maintal miterlebt."
Ob die Welt im Landkreis noch etwas mehr in Ordnung ist als anderswo? "Der soziale Zusammenhalt ist noch größer. Da schaut noch der Nachbar, ob da jemand Fremdes vor der Tür steht und wir haben eine andere Nachbarschaftshilfe."
Auch sein Nachfolger sieht das ähnlich. Er war vorher unter anderem bei einer Spezialeinheit der Bereitschaftspolizei für Krisenfälle. Ist da der Dienst in Lichtenfels nicht das genaue Gegenteil? "Man darf sich nicht täuschen lassen, dass hier nichts los sei. Es sind eben alltäglichere Fälle, die aber in der Masse anfallen."
Auch für ihn ist es die schönste Bestätigung, wenn man ihn in seiner Arbeit auch als Mensch wahrnimmt: "Wenn man die Rückmeldung bekommt, dass man zwar das macht, was man machen muss, aber das auf eine Art, die auch jemand vertreten kann, der nicht damit einverstanden ist."