von unserem Redaktionsmitglied Hans Kurz

Strullendorf — Seit mehr als zwei Jahrzehnten wird um das Wasserschutzgebiet Hirschaider Büsche gestritten, seit drei Jahren auch vor Gericht. Bei zwei Terminen, Anfang Februar und Ende März diesen Jahres, vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof in München. Doch offenbar kam der Richter noch nicht zu einer endgültigen Entscheidung.
"Letztendlich gibt das Gericht uns und den übrigen Beteiligten die Gelegenheit, sich außergerichtlich bis zum 1. Juni 2015 zu einigen", schrieb Strullendorfs Bürgermeister Wolfgang Desel (CSU) nach der Verhandlung auf der Homepage der Gemeinde. Im Strullendorfer Rathaus räumt man ein, dass Gespräche geführt werden, will sich zu den Inhalten während des laufenden Verfahrens verständlicherweise nicht äußern.
Desel schreibt, dass "allein die fachspezifische Auseinandersetzung nicht zu einer eindeutigen Lösung oder gar zu einer Entscheidung zum Nachteil Strullendorfs und der übrigen klagenden Parteien (unter anderen die Marktgemeinde Hirschaid und die Deutsche Bahn) geführt hat." Grundsätzlich sei man mit der Aussicht auf eine einvernehmliche, außergerichtliche Lösung zufrieden. Es gelte nun, die "vom Gericht erwähnten planerischen Ermessensspielräume des Freistaates Bayern, vertreten durch das Landratsamt, mit den Interessen unter anderen der Gemeinde Strullendorf unter einen Hut zu bringen - im Wissen um eine schutzwürdige öffentliche Wasserversorgung. Im Gemeinderat nannte Desel jüngst den vom Verwaltungsgericht aufgezeigten Weg einer Einigung mit Bamberg über das Wasserschutzgebiet als Teil des Fundaments auf dem Strullendorf künftig planen könne.
An solchen Verhandlungen beteiligt ist neben den genannten Klägern das Landratsamt Bamberg, das die Verordnung über das Wasserschutzgebiet zum 1. Dezember 2011 erlassen hat, sowie das Wasserwirtschaftsamt. Mit am Tisch sitzen dürften die Stadtwerke Bamberg. Denn das Schutzgebiet wurde für 32 Brunnen in den Hirschaider Büschen eingerichtet, aus denen Bamberg etwa 20 Prozent seines Wasserbedarfs bezieht. Die Flachbrunnen mit einer Tiefe von nur etwa neun bis 15 Meter wurden nach dem Krieg von den Amerikanern zur Versorgung Bambergs angelegt.

Eventuell mit Verlängerung

Die Stadtwerke waren beziehungsweise sind in dem Normenkontrollverfahren als so genannte Beigeladene an der Seite des beklagten Landratsamtes Bamberg beteiligt. Auch Stadtwerke-Pressesprecher Jan Giersberg bestätigt, dass der vorsitzende Richter am 25. März bei den beiden Parteien angeregt habe, Vergleichsgespräche zu führen. Dafür sei eine Frist bis zum 1. Juni im Raum gestanden, die aber möglicherweise verlängert werde.
Zum Inhalt der Vergleichsgespräche wollen sich wegen des immer noch laufenden Verfahrens jedoch auch die Stadtwerke nicht äußern. Man kann jedoch aus den im Vorfeld bezogenen Positionen, Wünschen und Widerständen einige Hauptpunkte ableiten, um die derzeit gerungen wird.
Strullendorf drängt grundsätzlich darauf, die Schutzzonen um die Brunnen enger zu ziehen und hat eigene Gutachten in Auftrag gegeben, die bestätigen sollen, dass dies ohne Gefährdung des Trinkwassers möglich sei. Für die Stadtwerke hat dagegen im Vorfeld der Gerichtstermine Christoph Jeromin, Abteilungsleiter für Bäder und Wasserversorgung deutlich gemacht, dass die im Ausweisungsverfahren für das Schutzgebiet herausgenommenen rund 800 Hektar Fläche - vor allem den Kernort Strullendorf und den Einzugsbereich des Zeegenbachs - bereits den größtmöglichen Kompromiss darstellten.
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Auch die Bahn will bauen

Strullendorfs Hauptproblem liegt aber ein kleines Stück weiter Südlich. Die Gemeinde strebt eine zweite Straßenanbindung für ihr Gewerbegebiet an. Doch diese könnte nach gegenwärtigem Stand nur durch die engere Schutzzone WII führen, die sich vom Main-Donau-Kanal bis zur Bahnlinie erstreckt und in der Straßenbau verboten ist.
Und an diesem Knackpunkt kommt auch noch die Deutsche Bahn ins Spiel, die ebenfalls als Kläger aufgetreten ist. Denn die Bahnlinie verläuft zwischen Hirschaid und Strullendorf größtenteils genau entlang der Grenze dieser engeren Schutzzone. Und da der geplante viergleisige Ausbau bei Strullendorf aufgrund der vorhandenen Bebauung nur westlich erfolgen kann, stößt auch die Bahn an die Kernzone des Schutzgebiets.
Ob sich die Infrastrukturinteressen mit dem Trinkwasserschutz unter einen Hut bringen lassen, muss sich in den nächsten Tagen und Wochen erweisen.