von unserem Redaktionsmitglied 
Hendrik Steffens

Kronach — Am Donnerstag wurden 47 Flüchtlinge im Mitwitzer Jugendübernachtungshaus untergebracht (wir berichteten). Montag hieß es dann, einige der Gestrandeten hätten sich während des Wochenendes unabgemeldet entfernt. Es wäre nicht das erste Mal, dass Flüchtlinge aus dem Kreis Kronach aufbrechen, um Freunde oder Verwandte aufzusuchen, die in anderen Landkreisen oder Bundesländern untergebracht sind. Klar, die Suche nach Vertrauten in einem fremden Land ist nachvollziehbar. Doch sie kann negative Folgen für die Suchenden haben.

Sie dürfen sich frei bewegen

"Am Montagnachmittag befanden sich bei einer Bestandsaufnahme 27 Leute im Haus. Die Differenz war irgendwo unterwegs", hieß es auf Anfrage gestern vom Landratsamt. Wer genau wie lange fehle oder gefehlt habe, wurde nicht gesagt.
Fakt ist laut Bernd Graf, dem Sprecher des Amts, dass es sich bei den Flüchtlingen um freie Menschen handele. Und als solche dürften sie sich natürlich frei bewegen. Wenn sie allerdings mehrere Tage ohne Meldung fortblieben, informiere man die Bezirksregierung darüber. "Wenn es auf eine längerfristige Abwesenheit hinausläuft", so Graf, "muss die Regierung die dafür vorgesehenen Konsequenzen ziehen".

Asylantrag wird erschwert

Ein Sprecher der Regierung teilte dazu gestern mit: Sobald ein Asylbewerber sich nicht mehr in seiner Unterkunft befinde und die Behörden nicht wüssten, wo er sich befinde, gelte er als untergetaucht. "Das führt dazu, dass er keine Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten kann." Auch sei er nicht in der Lage, beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge einen Asylantrag zu stellen. "Dies kann zu einer immensen Verzögerung seines Asylverfahrens führen." Erst wenn der oder die Betreffende wieder aufgegriffen werde oder wieder in der Unterkunft erschienen sei, könne seitens der Behörden ein Termin beim Bundesamt vereinbart werden - sodass erst dann die Prüfung, ob ein Asylantrag berechtigt sei, beginnen könne. Falls die Polizei den oder die Reisende antreffe und aufgreife, würden die betreffenden Personen wieder in die Zuständigkeit der Regierung von Oberfranken gebracht.