Veronika SChadeck

Noch immer hat das Arbeits- und Sozial Centrum Oberer Frankenwald (ASCO) mit den Folgen der Einführung des Mindestlohns zu kämpfen. Mittlerweile stehen auch Lohnzahlungen an die Mitarbeiter der ASCO aus.
Mitarbeiter Ludwig F. (Name von der Redaktion geändert) bangt um seinen Arbeitsplatz. Er wartet noch auf einen Teil seines April-Lohns. Seit einigen Jahren ist er bei der ASCO beschäftigt. Er hoffte, seine Tätigkeit bis zu seinem Eintritt ins Rentenalter ausführen zu können. Mittlerweile überwiegen aber die Zweifel.


Schlechte Arbeitsbedingungen

Er spricht von schlechten Arbeitsbedingungen, von einer Betriebseinrichtung, die "uralt" ist, und vom immer größer werdenden Leistungsdruck. Die Stimmung im Betrieb sei seit März 2015, seit Beginn der rückständigen Lohnzahlungen, mehr als schlecht. Hier und da fließen laut Ludwig F. auch schon mal Tränen, weil ein halber Lohn nicht zum Leben reiche.
Ludwig F. kann das Ganze nicht nachvollziehen, sich nicht erklären, warum keine zeitgemäße Entlohnung möglich ist. "Die Auftragsbücher sind voll." Gearbeitet werde im Zwei-Schicht-System. "Es wurde sogar von Seiten der Betriebsleitung angeregt, samstags zu arbeiten." Er spricht auch davon, dass die ASCO von heimischen Banken einen Kredit erhalten habe. Seinen Worten zufolge sollen die beiden Geldinstitute zuvor ein Gutachten in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit der ASCO und eine Bürgschaft der Rennsteiggemeinden gefordert haben. Aufgrund des Gutachtens hieß es dann laut Ludwig F.: "Es ist alles in Ordnung. Die Löhne sind für mindestens ein Jahr gesichert." Danach wolle man umstrukturieren. Doch nichts von alledem sei geschehen.
"Kein Kommentar", so der Kommentar von ASCO-Geschäftsführer Carlo Stauch. Kurz danach bestätigt er aber die Kreditaufnahme, um die Liquiditätsprobleme in den Griff zu bekommen. Er weist außerdem auf einen Unternehmensberater hin und äußerte sich zuversichtlich, dass die ASCO im Herbst 2016 in der Lage sein werde, pünktlich - also jeweils zum 15. für das zurückliegende Monat - die Löhne auszuzahlen.
Außerdem soll es auch einen Lohnkostenzuschuss seitens des Integrationsamtes geben, da die ASCO Bürger aus der Region beschäftigt, die auf aufgrund von Krankheiten, Alter oder anderweitigen Lebensumständen Schwierigkeiten haben, im ersten Arbeitsmarkt einen Job zu finden.
Aus datenschutzrechtlichen Gründen kann das Integrationsamt aber keine Auskünfte geben, ob Arbeitgeber, die Menschen mit Behinderung beschäftigen, Förderungen beantragt haben und in welcher Höhe sie eventuell Leistungen vom Integrationsamt beziehen, teilte uns der Pressesprecher des Zentrums Bayern für Familie und Soziales (ZBFS), Michael Neuner, mit. Er weist jedoch darauf hin, dass die ASCO auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt Leistungen des Integrationsamtes erhalten könne, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. Um das Arbeitsverhältnis behinderter Menschen zu sichern, könne das ZBFS beispielsweise Arbeitsplätze behindertengerecht gestalten und entsprechend fördern. Es könne auch Zuschüsse zum Arbeitsentgelt bei einer wesentlich verminderten Arbeitsleistung leisten. Die Auszahlung, so Neuner, erfolge jedoch nur gegen einen entsprechenden Nachweis, dass die betroffenen Mitarbeiter ihren Lohn auch erhalten haben. Die Zuschüsse erfolgen in der Regel im vierteljährlichen Turnus. Der Nachweis über die Lohnzahlung hat am Ende des Bewilligungszeitraums zu erfolgen.
Sollte zwischenzeitlich, beispielsweise durch Krankheit, die Lohnfortzahlung unterbrochen werden, ist dies dem Integrationsamt sofort zu melden.
Der Vorsitzende der ASCO, Timo Ehrhardt, spricht von einem "schwierigen Umfeld". Von einem Lohn-Zahlungsverzug sei ihm nichts bekannt. Sollte es dennoch so sein, hält er es bezüglich des noch ausstehenden Teils des Aprilgehalts für übertrieben, bei einem halben Monat von einem Verzug zu reden.
Ehrhardt spricht vom Ziel, bei der ASCO "eine schwarze Null" zu erreichen. Die ASCO, so sagt er, sei ein gemeinnütziger Verein, der "zwar wirtschaftlich sei, aber keine großen Gewinne erzielen müsse". Er erwähnt das von einem Wirtschaftsprüfer ausgearbeitete Gutachten, in dem dieses Ziel als realistisch eingeschätzt werde. Er spricht von angepassten Strukturen, wie beispielsweise die Anhebung des Stundensatzes (die Leichtmontageabteilung wurde aufgelöst und somit auch die Zahl der Mitarbeiter von rund 80 auf etwa 50 reduziert) und von prognostizierten Zahlen, die optimistisch stimmen.
Ludwig F. kann diese Zuversicht nicht teilen. Zwar hat ein Teil der Belegschaft zwischenzeitlich einen Abschlag von 50 Prozent ihres April-Gehaltes bekommen, aber "wie soll das weitergehen?", fragt er.
Bereits im Herbst 2014 rief Carlo Stauch zu einer Spendenaktion für die ASCO auf. Damals stand die Anschaffung neuer Gerätschaften im Raum. Außerdem wurde der Mindestlohn zum 1. Januar 2015 eingeführt. Carlo Stauch äußerte sich damals zuversichtlich: "Wenn wir die ersten fünf Monate in 2015 überbrücken, dann sind wir wieder in der Spur." Damals ging man von Lohnkostensteigerungen von 105 000 Euro auf 130 000 Euro aus. Für Ludwig F. ist entscheidend, dass die Menschen, die hier unter "mehr als fragwürdigen Bedingungen" Leistung brächten, ihre notwendigen Lebenshaltungskosten bezahlen können. Daran glaubt Ludwig F. nicht mehr. Er hat den Glauben an eine Zukunft der ASCO mehr als verloren.