"Der Opa hat uns immer motiviert und war immer dabei", sagte Sandra Richter-Nicolosi mit liebevollem Blick auf ihren Großvater Walter Richter. Der Vater des Neunkirchner Bürgermeisters hat seinen 90. Geburtstag mit der Familie und vielen Freunden gefeiert.
Viele Erinnerungen der vergangenen Jahrzehnte wurden wach, vor allem als Enkelin Sandra mit einer Präsentation das aktive Leben des Jubilars zeigte. "Plötzlich war er 90", erklärte Sandra. Geboren wurde Walter Richter als jüngster von insgesamt sieben Kindern in Neumannsdorf im Kreis Schweidnitz in Schlesien. Erst zwölf Jahre war er alt, als sein Vater starb. Walter Richter lernte den Beruf Textilkaufmann und musste dann zum Arbeitsdienst und zum Militär. In Stralsund wurde er ausgebildet, schließlich im Krieg nach Ungarn geschickt und kam dann nach Dachau in Gefangenschaft. Von seiner in Berlin lebenden Schwester erfuhr er, dass seine Geschwister und die Mutter inzwischen in Baad in Neunkirchen am Brand lebten und sofort machte er sich auf den Weg dorthin. Schwer gehungert haben die Menschen zu der Zeit, weshalb sich Walter Richter entschied, als Knecht zu arbeiten. "Damit wir etwas zu essen hatten", erklärte der Jubilar. Besonders gern hatte er sich um die Pferde des Bauern gekümmert. Dann begann er seine Arbeit bei der Firma Schultheis, einer Ziegelei in Spardorf, und arbeitete sich dort hoch.


Garten, Turnen und Gesang

Bürgermeister Heinz Richter kann sich noch erinnern, dass er und sein Bruder Fritz oft sonntags mit in die Firma gefahren sind. Der Jubilar hat sein Herzblut in seine Arbeit gelegt. Mit seiner Ehefrau Herta hat Walter Richter ein Haus gebaut, in dem er nun mit seinem jüngeren Sohn Heinz und dessen Ehefrau Silvia noch immer lebt. "Wenn wir als Kinder mit dem Dreirad durch sein Beet gefahren sind, hat er es einfach wieder neu gerichtet", erinnerte sich Sandra an den Opa, der immer viel Freude an seiner Familie, den beiden Söhnen Fritz und Heinz, den Schwiegertöchtern Maria und Silvia, an seinen Enkeln Sandra und Michael und nun auch an den beiden Urenkeln Phil und Maurizio hat.
Der Garten war Walter Richters große Leidenschaft, aber noch viel mehr die Musik, das Turnen und der Gesang. Als ältester Sänger singt er seit 1958 beim Männergesangverein Cäcilia noch immer den ersten Tenor. Auch bei der Blaskapelle des Jugend- und Trachtenvereins ist er das älteste Mitglied. Er liebte das Turnen am Reck und Barren, schwimmt mit Freunden regelmäßig in Staffelstein und ging bis vor kurzem jeden Samstag nach Spardorf zum Schwimmen. Zum Geburtstag gratulierten Vereinsmitglieder, Pfarrer Axel Berthold, Zweiter Bürgermeister Martin Mehl und Landrat Hermann Ulm.