von unserem Redaktionsmitglied 
Matthias Einwag

Bad Staffelstein — Erinnern Sie sich an den Ricola-Mann aus der Fernsehwerbung, der so nervig-nachdrücklich fragte, wer die Kräuterbonbons erfunden hat? Und an die saunierenden Finnen, die dreist logen, das süße Rachengold komme aus ihrem Land? Wer an Finnland denkt, dem fallen das Nokia-Handy ein und die Musikparodien der Leningrad-Cowboys mit den Einhorn-Frisuren. Er denkt vielleicht an den Weihnachtsmann samt Rentierschlitten, der seine Bodenstation am Polarkreis aufgeschlagen hat und natürlich ans Saunieren. Dass die Kräuterbonbons in der Schweiz erfunden wurden - keine Frage! Aber wer erfand die Sauna?
Das finnische Wort Sauna ("Haus aus Holz") bürgerte sich weltweit in nahezu alle Sprachen als Synonym für die Schwitzstube ein. Eine Sauna ist somit ein auf eine hohe Temperatur erwärmter Raum, worin ein Schwitzbad genommen wird. Die Sauna ist seit jeher ein elementarer Bestandteil der finnischen Kultur. In fast jedem finnischen Haus ist eine Privatsauna vorhanden, die der Entspannung und Körperreinigung dient. Wenn in früherer Zeit ein neues Haus angelegt wurde, errichteten die Finnen zuerst das Saunagebäude und bauten das Haus drumherum.


Das Saunieren vervollkommnet

Die Ursprünge des Saunierens sind also tief in der finnischen Geschichte verwurzelt. Die allgemeine Annahme, das Schwitzbaden wäre in Finnland entstanden, ist jedoch ein weit verbreitetes Irrtum, sagen die beiden Staffelsteiner Saunameister der Obermain-Therme, Roland Müller und Peter Zillig. Zwar sei die Sauna ein unverzichtbares Element der finnischen Kultur, doch eine Erfindung der Skandinavier sei das Saunieren nicht. Vielmehr gelangte das Baden in einem heißen Raum vor rund 1500 Jahren aus den ostasiatischen Gefilden in den kühlen Norden. In Asien war das Schwitzbad eine Sitte der Bauern - und wohl an vielen Orten auf der Welt gehörte das Gesundschwitzen zur Kulturgeschichte der Menschheit.
Das Saunieren wurde vor allem in Finnland zum landesweit gepflegten Kult. Es soll sogar Finnen geben, die an jedem Abend eines Werktages, ihr gesamtes Leben lang, sauniert haben. Der Legende nach wird nur am Abend des ersten Weihnachtsfeiertags eine Pause eingelegt.
Moderne Saunaanlagen - sowohl in Finnland als auch am Obermain - unterscheiden sich jedoch von der ursprünglichen Rauchsauna. Allerdings schwören die Finnen weiterhin auf eine traditionelle Beheizung mit Holz. Als Rauchsauna (finnisch Savusauna) bezeichnet man einen Saunaraum, der mit Hilfe eines Holzofens befeuert wird, der jedoch über keinen Rauchabzug verfügt. Zum Anheizen wird der Saunaofen befüllt und angezündet. Die entstehenden Rauchgase füllen den ganzen Raum. Hat der Saunaraum seine Betriebstemperatur erreicht, werden die an der Decke und im Dach angebrachten Entlüftungsklappen geöffnet. Der Rauch entweicht und die Sauna ist betriebsbereit. Diese Saunen sind innen komplett verrußt. Der Saunagast nimmt sich eine hölzerne Unterlage aus dem Vorraum und legt diese auf die Saunabank als Schutz gegen Verschmutzung. Echte finnische Rauchsaunen werden aufgrund von Abbränden und der sich ständig verändernden Gesetzgebung immer seltener und sind heute fast nur noch in Museen zu besichtigen.
"Finnland ist das Ur-Saunaland - dort ist das Saunieren viel rustikaler als bei uns", sagt Peter Zillig. Die Obermain-Therme besitzt seit rund einem Jahr eine Kelo-Sauna, die mit Holz aus Finnland errichtet wurde. Das imposante Blockhaus sieht aus wie ein uriger Wikingerbau - aber halt, wir sind in Finnland. Tatsächlich kommen die Kiefernstämme, die hier verbaut wurden, vom Polarkreis, die Bäume wurden in Finnland geschlagen.
Kelo ist die finnische Bezeichnung für abgestorbenes und natürlich getrocknetes Holz aus arktischen Klimazonen. Keloholz ist nicht durch Verwitterung entstanden, sondern durch jahrzehntelange Dehydrierung im trocken-kalten Polarklima, nachdem der Baum altersbedingt sein Wachstum eingestellt hat.
Für den Saunabau ist dieses Holz ideal, sind Peter Zillig und Roland Müller sicher, denn es sehe nicht nur schön aus, es verströme auch einen sehr aromatischen Geruch. Die großzügig bemessene Kelo-Sauna - sie ist gut für Event-Aufgüsse geeignet - besitze ein besonderes Raumklima, das faszinierend sei.
Und auch Werkleiter Hans Josef Stich ist stolz auf die Sauna aus original finnischem Holz und meint, man müsse schon weit fahren, um etwas Ähnliches wie diese Sauna in Deutschland zu finden.


Finnischer Abend am Obermain

Wer saunieren möchte wie die Finnen und nicht unbedingt auf verrußt-rauchige Schwitzbad-Atmosphäre steht, kann also in Franken bleiben. Ein finnischer Abend ist auch am Obermain möglich. Oft sogar mit besonderen Themenschwerpunkten - und wer weiß, vielleicht trifft der eine oder andere sogar den Weihnachtsmann beim Eventabend im Saunaland. Einmal gab es schon finnisches Lapinkulta-Bier - und ein finnischer DJ heizte musikalisch ein. Peter Zillig prostete den Sauna gästen mit dem landestypischen Trinkspruch zu: "Hölleken kölleken!"