Unsichere Jobs sind meist Frauensache: Im Landkreis Haßberge arbeiteten Ende letzten Jahres rund 12 300 Frauen in Teilzeit, Mini-Job oder Leiharbeit. Damit machten sie 74 Prozent der "atypischen Beschäftigung" aus, wie eine gleichnamige Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung zeigt. Das teilte die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) mit und warnt zugleich vor einer zunehmenden Altersarmut für Frauen: "Prekäre Jobs führen zu niedrigeren Rentenansprüchen." Dabei seien Zeiten der Schwangerschaft oder Kindererziehung noch nicht einmal berücksichtigt.
"Wenn Politik und Wirtschaft nichts unternehmen, dann werden Frauen bei der Rente immer öfter zu Verliererinnen", sagt Michael Groha, Bezirkschef der IG BAU Mainfranken. Besonders besorgniserregend sei der Trend, dass Teilzeit immer mehr zum Normalarbeitsverhältnis für Frauen werde. So habe es nach Angaben der Böckler-Studie im Kreis Haßberge zuletzt 5911 Teilzeit-Arbeiterinnen gegeben - 73 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Demgegenüber haben Ende letzten Jahres nur 810 Männer in Teilzeit gearbeitet. Außerdem waren mit insgesamt 6338 Mini-Jobberinnen 64 Prozent aller geringfügig Beschäftigten im Kreis Haßberge weiblich.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Rentendebatte fordert die Gewerkschaft, die Situation der Frauen stärker in den Blick zu nehmen. "Gerade in der Gebäudereinigung, im Gartenbau und in der Floristik bekommen sie kaum Vollzeitstellen, sondern Teilzeit- oder Mini-Jobs. Die Folge ist, dass Frauen trotz jahrzehntelanger Arbeit im Alter zum Sozialamt gehen müssen", rügt Groha. Zudem fehlten Frauen wegen Erwerbsunterbrechungen häufig mehrere Jahre an Rentenbeiträgen. Und auch nach einer Scheidung stünden viele Frauen mit leeren Händen da - aber oft mit dem alleinigen Sorgerecht. "Die Folge davon ist eine weiter zunehmende Altersarmut bei Frauen", so Groha. red