In der Heimatforschung kommt es nicht nur darauf an, dass jeder seine eigene Arbeit gut macht. "Neben dem fachlichen Input ist auch die Kommunikation wichtig", findet Professor Klaus Reder, Bezirksheimatpfleger von Unterfranken. Um eine Möglichkeit zum Austausch zu schaffen, findet regelmäßig unter seiner Leitung im Schüttbau in Rügheim das Symposium Heimatforschung statt. Dieser Tage trafen sich Historiker, Heimatforscher und Archivleiter zu der Tagung. "Wir haben einen festen Stamm an Besuchern", berichtet Klaus Reder.
Neues aus der Heimatforschung stellte Wolfgang Pledl vom Bayerischen Landesverein für Heimatforschung vor. Der stellvertretende Leiter des Bamberger Staatsarchivs, Klaus Rupprecht, sprach über die Bedeutung der Adelsarchive und Richard Winkler stellte das von ihm geleitete Bayerische Wirtschaftsarchiv vor. Der Vortrag von Andrea Schwarz dürfte nicht nur für Heimatforscher und Historiker interessant gewesen sein. Die Kirchenarchivdirektorin der evangelischen Kirche in Bayern stellte die Internetseite www.archion.de vor. Hier können Interessierte in einem "virtuellen Lesesaal" gegen eine Gebühr im Inhalt alter Kirchenbücher recherchieren. Neben den Geschichtsinteressierten können Menschen, die etwas über die Herkunft ihrer eigenen Familie erfahren wollen, von dieser Seite profitieren.


Sparzwang im 19. Jahrhundert

Während viele Vorträge den Forschern eher nützliche Hilfsmittel für ihre Arbeit vorstellten, ging der oberfränkische Bezirksheimatpfleger und Professor Günter Dippold auf Forschungsinhalte ein. Er sprach über die Karrieren bayerischer Beamter im 19. und 20. Jahrhundert. So sprach er zunächst über die Landgerichte, die 1802 in Bayern geschaffen wurden. Dabei handelte es sich um eine Einrichtung, die gleichzeitig Gericht und Verwaltungsbehörde war. "Auf höherer Ebene war beides getrennt, auf der unteren Ebene nicht", berichtete Dippold. Grund dafür war wohl der Wunsch, Personal zu sparen. "Der Landrichter hatte damit zwei Vorgesetze", erzählte der Professor. Die Forderung, auch auf dieser unteren Ebene eine Trennung von Justiz und Verwaltung durchzusetzen, wurde erst 1862 umgesetzt.
Bei der Frage, welches Recht anzuwenden sei, standen die Juristen Dippold zufolge gerade in Franken oft vor großen Herausforderungen. Das Land war sehr zersplittert, Grenzen zwischen verschiedenen Herrschaftsgebieten gingen oft mitten durch ein Dorf und so konnte in einem Haus eine ganz andere Rechtslage gelten als im Nachbarhaus. "Man musste also immer schauen, welches Recht anzuwenden ist." Zusammenhängende Biografien der Beamten, die auf dem Land beispielsweise eine Stelle als Bezirksamtmann hatten, gebe es kaum. Hier bestehe noch einiger Forschungsbedarf, sagte er. Lediglich über Leute, die später weiter aufstiegen, wurde mehr festgehalten. Ihre Kurzbiografien finden sich in der "Zusammensetzung der Bayerischen Beamtenschaft von 1806 bis 1918". Über andere Bezirksamtleute finden sich im Hof- und Staatshandbuch zumindest die Namen.


Mit schlechten Noten aufs Land

Nicht jeder hatte die Möglichkeit, überhaupt eine Beamtenkarriere anzustreben. Für die Stelle eines Amtmanns war ein abgeschlossenes Jurastudium nötig und damit zunächst das Abitur. Dieses war schwieriger zu bekommen als heute und von den finanziellen Möglichkeiten abhängig, denn damals gab es nur in wenigen Städten ein Gymnasium. Schüler mussten sich also oft ein Zimmer mieten, um eine höhere Schule besuchen zu können.
Als Beispiel für eine Beamtenlaufbahn griff Dippold den Bezirksamtmann Franz Carl Hörburger heraus, der von 1879 bis 1893 in Staffelstein tätig war. Aus einigen Schreiben geht hervor, dass er sein Studium zwar abschloss, aber nicht mit den besten Noten. "Juristisch eher schwach, aber ein netter Kerl", war das Urteil, das sich aus dem Schriftverkehr herauslesen lasse, berichtete Dippold.
Damit sei Hörburger kein Vorzeigejurist. "Er steht für die vielen Kleinen", meinte der Professor. Hörburger, der auf der Karriereleiter nicht über den Bezirksamtmann hinauskam, hatte allerdings prominente Verwandtschaft: Verheiratet war er mit einer Tochter aus der Münchner Bierbrauer-Dynastie Pschorr, sein Neffe war der Komponist Richard Strauss. Etwas flapsig kommentierte Dippold eine gewisse Unzufriedenheit mit Hörburgers Dienstort: "Seine Frau stammte aus der Münchner Society - und dann kommst du nach Staffelstein."