von unserem Mitarbeiter Markus Häggberg

Wiesen — "Die Naturkenner gehen aus!" Sie würden weniger, das beeinträchtige die Forschung. Der das sagt, ist Förster Hermann Hacker. Am Freitagabend führte er gemeinsam mit Gerhard Hübner einen Tross von Naturfreunden in den nächtlichen Wald bei Wiesen. Dort warteten die Hirschkäfer und die Fledermäuse.
Laura Fuß ist neun Jahre alt und nimmt ihre gleichaltrige Freundin Mia bei der Hand. Die kleinen Staffelsteinerinnen sind nur zwei von insgesamt 34 Interessierten jeden Alters, die sich von einem naturwissenschaftlichen Angebot locken ließen. Obwohl: ein Hund wird ihnen im Laufe des Abends das Interesse an Fledermäusen und Käfern weitgehend ausspannen.
Aber der Rest der Wanderer wird sich erstaunt über das Angebot zeigen, das von der Umweltstation Weismain, der Abteilung Forsten des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Coburg und der Kultur-Initiative Bad Staffelstein (KIS) geschnürt worden war. Denn wie klingen eigentlich Fledermäuse? Wir groß werden Hirschkäfer und wie sehen diese aus? Und was ist eigentlich ein Batcorder?

Der Batcorder kam zum Einsatz

Es war gegen 22 Uhr schon leidlich dunkel geworden im Wald. Die 34 Menschen, die den Aufstieg vom Dorfplatz Wiesen aus hierher genommen hatten, wurden spätestens jetzt von Mücken umschwirrt. Aber darum ging es ja auch: umschwirren, anlocken. Hermann Hackers Mitstreiter war Gerhard Hübner aus Coburg, der auf einer Anhöhe wartete, um den Wanderern ein besonderes Gerät aus Mikrophon und Lautsprechern zu präsentieren: einen Batcorder, einen Fledermausrekorder also. Damit sollten die Rufe von Fledermäusen mit niedriger Schallfrequenz für Menschen vernehmbar gemacht werden.
Bald waren die Fledermäuse nur wenige Meter über den Köpfen der Nachtwanderer zu erkennen. Das, worauf sie Jagd machten, waren Insekten. Aber so natürlich, einfach und überschaubar wie man vermuten möchte, ist das mit den Insekten nicht. Hermann Hacker, studierter Forstwirt und Vorsitzender der KIS, ist leidenschaftlicher Entomologe, Insektenkundler also. Er gilt als Spezialist für Eulenfalter und wenn er davon spricht, dass zwei Drittel aller tierischen Gattungen auf Erden Insekten seien, diese aber wiederum kaum in den Fokus der Wissenschaft geraten, ruft das Verblüffung hervor. So wie die Bemerkung, wonach eine heimische Fledermausart gar erst Ende der 1980er-Jahre entdeckt wurde.
Offebar ist vieles im heimischen Wald noch unbekannt. "Es gibt kaum Literatur dazu", so Hacker. "Es gibt auch kaum (deutschsprachige) Bücher, die für Artbestimmungen taugen", so der Förster weiter.
Hacker und Hübner hatten Schaukästen mit allerlei präparierten Insekten mitgebracht und präsentierten diese im Licht der 250-Watt-Lampen. Das bläuliche Licht wirkte sehr anziehend auf Insekten, die wiederum mittels Plastikbechern von den ausgespannten Laken aus eingesammelt werden konnten. Allerlei Staunen riefen die Betrachtungen hervor. Aber irgendwann war auch Schluss, wenngleich sich der letzte Besucher erst gegen 1.30 Uhr verabschiedete. Sein Motiv für die Teilnahme dürfte ähnlich dem des Lichtenfelsers Frank Höfer gewesen sein: "Mein Anreiz war, meinem Sohn Insekten nahezubringen - damit er was von der Natur mitbekommt."