Sie sind klein, gemein und gefräßig. Wer sich ihnen in den Weg stellt, wird gnadenlos weggeputzt: Schwammspinner-Raupen haben einen unstillbaren Hunger. Wen wundert's, dass sie den Veitsberg kahlfressen. Das zeitkritische Lustspiel "Lauter Spinner" von Wilhelm Wolpert präsentierte am Samstag in der Halle von Martin Zellmann die Theatergruppe Ebensfeld. Weitere Aufführungen sind am Freitag, 7. Oktober, um 19.30 Uhr, Samstag, 8. Oktober, um 19.30 Uhr und am Sonntag, 9. Oktober, um 17 Uhr.
Der für seinen hintergründigen Humor bekannte Unterfranke Wilhelm Wolpert hat eine wahre Begebenheit in ein Theaterstück verpackt. Die Laienschauspieler unter der Regie von Jürgen Klitzner haben die Humoreske lokal angepasst und bringen dies auch im Titel zum Ausdruck: "Lauter Spinner oder rettet den Veitsberg".
Der Inhalt: Die Schwammspinnerplage hat den Veitsberg getroffen. Die Gemeinderäte mit ihrem Bürgermeister beraten, was sich dagegen machen lässt. Der erste Versuch, Gift zu sprühen, schlägt fehl, weil die Insekten unter den Blättern Schutz suchen. Auch die Idee, die gestreiften und getüpfelten Schwammspinner gegeneinander zu hetzen, bis sie sich gegenseitig auffressen, scheitert.


Eine zündende Verkaufsidee

Der göttliche Beistand mit einer Messe erweist sich als wirkungslos. Inzwischen berichtet die Lokalpresse ausführlich über die "Spinner im Rathaus". Schließlich kommen die Gemeinderäte auf die Idee, Schwammspinner als Haarwuchsmittel zu verkaufen, und lassen durchblicken, dass ein Extrakt auch als Potenzmittel wirksam wäre. Darauf strömen die meist männlichen Heilssucher auf den Berg, und binnen kurzer Zeit bleibt nur ein Schwammspinnerpärchen übrig. Das bedauern die Räte, denn die lukrative Kampagne spülte viel Geld in die Gemeindekasse. Zum Schluss stellen sie im Rathaus einen Brutkasten auf, damit sich die Spinner wieder vermehren können.
Der Schwank mit viel Klamauk lebt nicht allein von der Mimik ihrer Darsteller, sondern durch den lokalen Bezug. Regisseur Jürgen Klitzner versteht es meisterhaft, die originalgetreuen sprachlichen Feinheiten wiederzugeben. Nachdem das Gift nicht gewirkt hat, klagt die SPD-Gemeinderätin (Silvia Klitzner): "Also meim G'fühl noach hat des Gift dera ihrn Appetit noch gsteigert, der halbe Veitsberg ist scho abg'fressn." Den göttlichen Beistand ruft die CSU (Norbert Dietz) herbei: "Unner hochverehrter Herr Pforra soll a Mess am Veitsberg haltn. Der Hergott lässt doch uns Ebensfelder net im Stich, jetzt in der allergrößten Not." Und die SPD-Kollegin fügt hinzu: "Und mir versprechn noch a Kerzn in Verzeerheilign." Die Grüne (Cornelia Lurtz) verspricht: "Wenn es einen Gott gibt und der helfen soll, dann müssen wir mindestens ein Feldkreuz auf dem Veitsberg bauen zum Andenken an die wundersame Errettung von den Spinnern, so wie die Staffelsteiner, die haben ihre Kreuze auf dem Staffelberg."
Der Bürgermeister (Hermann Zeis) ist erbost über die Bildunterschrift in der Lokalzeitung: "Die größten Spinner von Ebensfeld: Zweiter von rechts, der Bürgermeister. Soll ich mir des g'falln lassn?"
Der schwarze Gemeinderat lässt die Rivalität zum mächtigen Nachbarn durchblicken, als er die Ursache der Katastrophe in Bad Staffelstein sucht: "Die hat uns aaner reig'schleppt, wahrscheinlich a Staffelstaaner." "Oder die Neusiger", vermutet die rote Kollegin. Höhepunkt ist das neue Wappen der Gemeinde Ebensfeld, das ein Schwammspinner-Männchen hoch zu Ross zeigt.
Alle Akteure waren Garant, dass am Abend viel gelacht werden konnte. Langer Beifall war verdienter Lohn und Anerkennung für das zweistündige Lustspiel. Es besticht nicht nur durch Situationskomik, sondern auch durch pointierte Ironie; war turbulent, spritzig und amüsant. Dazu begeistern die Laienschauspieler in Gestik, Mimik und Wortwitz. awe