von unserem Mitarbeiter Philipp Fischer

Bad Staffelstein — Kleine Kostprobe gefällig: "Meine Freundin, du bist schön! [...] Deine Lippen sind wie eine scharlachfarbene Schnur, und dein Mund ist lieblich. Deine beiden Brüste sind wie junge Zwillinge von Gazellen, die unter den Lilien weiden. [...] Du bist gewachsen wie ein Lustgarten von Granatäpfeln mit edlen Früchten. [...] Komm, lass uns aufs Feld hinausgehen und unter Zyperblumen die Nacht verbringen. [...] Da will ich dir meine Liebe schenken."
Nein, das ist keine Passage aus dem Kamasutra, sondern aus der Bibel. Liebe, Erotik, Sexualität, Bibel und Kirche - passt das zusammen? "Ja", meint Matthias Hagen. Der evangelische Pfarrer beschreitet gern neue Wege. Wie mit dem "Gottesdienst anders". Was den Menschen wirklich bewegt, soll zur Sprache kommen. Morgen um 18 Uhr nähern sich er und seine Frau, Pfarrerin Sabine Schmid-Hagen, mit der Gemeinde einem Thema, über das jeder nachdenkt und das gerade mit der Bibel untrennbar verknüpft ist.
"Es ist ein Plädoyer für die Liebe in all ihren Facetten. Es ist viel Sinn, Seele und Herz", betont Pfarrer Hagen. Freilich sei es ein streitbares Thema. Zu Wort kommen wird Augustinus - jener große Kirchenvater des 4. und 5. Jahrhunderts, der die Theologie bis heute prägt, der aber auch die Sexualität aufs Schärfste verteufelte. Zu Wort kommen wird das Christentum, das lange als lust- und leibfeindlich verschrien war. Zu Wort kommen wird das "Hohelied", jene Sammlung von 30 Liebesliedern, die König Salomo zugeschrieben werden. "Vielleicht werden Sie danach sagen: ‚Was - die Bibel?‘, und im Guten überrascht sein, von der Lebensnähe, der Schönheit und prallen und zärtlichen Lebenslust des Wortes Gottes." Darum geht es dem Initiator der Reihe "Gottesdienst anders". Er möchte weg von der "gestanzten, kirchlichen Sprache", hin zu einer, die jeder versteht. Jeder sei auf der Suche nach Glück, Liebe, Sinn und Ruhe. "Diese Fragen lassen sich nicht abspeisen mit dem Satz: ‚Jesus Christus ist für Deine Sünden gestorben‘. Christen und Kirche müssen auf die Lebensfragen Antwort geben, mit einfacher Sprache, mit schönen Bildern, mit schöner Musik."
Dass es wieder eine üppige Entdeckungsreise zum Sehen, Schmecken, Riechen, Hören und Fühlen mit Überraschungseffekt wird, versprechen die beiden bisherigen, "anderen Gottesdienste". Wann steht schon mal ein Bett vor dem Altar, zu dem Tausende Daunenfedern führen? "Vom Zauber des Schlafens" handelte es da. Immer stehen eigene Erfahrungen hinter dem Thema: Probleme, die einem nahegehen, einen wach halten, grübeln lassen.
"Ich wusste, da treffe ich den Nerv. Mein Maßstab ist die Lebensdienlichkeit fürs einzelne Subjekt. Wenn es jemandem gelingt, besser zu leben, ist das auch Gottesdienst. Glaube hat viel mit guten Gefühlen zu tun in der Kirche und in der Gemeinde, aber gerade im Leben."