Dormitz — Seit 1995 müssen die Dormitzer ohne eigenes Bier auskommen. Robert Fröhlich lässt die alte Nachbarschaft zwischen der gleichnamigen Brauerei, die zuletzt von seinem Bruder und Cousin geführt wurde, und dem "Grünen Baum" an diesem Abend aufleben.
Der Mann mit dem weißen Haar und der randlosen Brille tritt mit zwei Anliegen vor die Dormitzer. Das Erste: Mit Bildern aus längst vergangen Zeiten versetzt er die Anwesenden in eine Zeit, in der noch mit dem Kuh-Gespann das Bier von Tür zu Tür gefahren wurde.

1927 gab es nur Leichtbier

Fröhlich kennt viele Geschichten. Einige davon hat er sich erst Jahre später angelesen oder von Freunden erzählen lassen. Die Dormitzer sind mucksmäuschenstill, während er das auf Leinwand projizierte Familienalbum durchklickt. Junge, schmächtige Männer am Dorfweiher, die heute mit lichter Haarpracht in der Runde sitzen. Geschichten aus Dormitz, Generationen, deren Kinder noch heute in der Gemeinde leben - und vom heimischen Bier, "das vom Alkoholgehalt 1927 mit einem heutigen Leichtbier zu vergleichen war."
Fröhlich selbst hatte mit der Braukunst nicht viel zu tun. Aber die Verbundenheit zur Brauerei bleibt. Er verwahrt die Erinnerungsstücke: Im virtuellen Aktionshaus "Ebay" stößt er auf einen alten, hölzernen Bierkasten, der es durch die Alliierten bis nach Texas geschafft hat - für 50 Dollar wurde die Kiste angeboten.
Sein zweites Anliegen: Die Geschichte eines Piloten, der bei einem Absturz 1945 am Ortseingang ums Leben gekommen ist. "Er ist bei lebendigem Leib verbrannt. Bis heute ist seine Identität ungeklärt", sagt Fröhlich. Wenn sich irgendjemand fände, der ihm auf der Spurensuche irgendwelche Hinweise geben könnte, "dann hätte sich der Abend doppelt gelohnt." sd