Am Ende wehte noch ein Hauch von Dada durch das Foyer der Stadtbücherei, als Thomas Seubold, nach eigenen Angaben "infolge einer notlandung immer noch auf dieser erdkugel festklebend", seine Gedichte und skurrilen Kurzgeschichten wie etwa den Traum von der Kuh auf Rädern in einer Kirche vortrug. Davor hatten die Zuhörer, die das Foyer beim ersten Forum für angehende Autoren fast komplett füllten, bereits zwei Kurzgeschichten und zwei Auszüge aus Romanen gehört.
Eingeladen zu diesem Autorenforum unter dem Titel "Freistil" hatten die Stadtbücherei Coburg und der Coburger Literaturkreis. Ihr gemeinsames Ziel: Menschen, die gerne schreiben, den Weg in die Öffentlichkeit zu erleichtern. Und ihr Aufruf hatte großen Erfolg; man hätte, so Brigitte Maisch, Leiterin der Stadtbücherei, und Alois Schnitzer, Vorsitzender des Literaturkreises, mit den Einsendungen auch vier Abende bestreiten können. So musste man auswählen, wobei man ein möglichst breites Spektrum unterschiedlicher Texte präsentieren wollte.
Das Bestreben war erfolgreich, die Zuhörer erlebten laut Mitteilung einen abwechslungsreichen Abend.
Den Auftakt machte Cornelia Gibson mit ihrer Kurzgeschichte "Das grüne Band", in der sie die Annäherungsversuche eines Mannes an eine ihn interessierende Frau bei einer Wanderung an der ehemaligen Grenze zwischen der DDR und der Bundesrepublik schildert. Mit Gibson, 68 Jahre alt, ehemalige zivile Lehrkraft bei der Polizei und erst im Ruhestand zum Schreiben gekommen, wurde auch gleich deutlich, dass es den Initiatoren nicht auf das Alter der Autoren ankam, sondern darauf, dass sie noch am Beginn einer möglichen schriftstellerischen Laufbahn stehen.
Auf Gibson folgten mit Annika Brondke und Heidi Daouk, 16 und 17 Jahre alt, die jüngsten Autorinnen an diesem Abend. Die beiden Coburger Schülerinnen stellten - unterstützt von zwei weiteren Schülern - ihren Roman "Hallo, ich bin dein Genitiv" vor, die Geschichte von Nick und seiner unerwiderten Liebe zu seiner Mitschülerin Nicola, die Nicks besten Freund Benni um einiges interessanter als ihn findet.
Melitta Firu - sie hat in Coburg Wirtschaftssozialarbeit studiert, war währenddessen in der VHS-"Schreibwerkstatt" von Johannes Schmidt und arbeitet jetzt an der Technischen Hochschule Nürnberg - präsentierte danach ihre fantastische Kurzgeschichte "Milians Hund" über ein Schattenwesen, das dem Jungen Milian auch in kriegerischen Zeiten zur Seite steht.
Auf Firu folgte mit Annika Grittner wieder eine Romanautorin. Grittner, 21 Jahre alt und Studentin für das Grundschullehramt, las aus "Nein, es geht nicht, und alles, was darauf hinausläuft", einer Geschichte über eine Lehrer-Schüler-Beziehung. Den Schlusspunkt setzte dann schließlich mit Thomas Seubold aus Marktgraitz der einzige Mann in der Runde.
Nach den Lesungen entspann sich noch ein reges Frage-und-Antwort-Spiel mit der Schirmherrin der Veranstaltung, der Coburger Autorin Sabine Friedrich. Friedrich, für ihr 2012 erschienenes Monumentalwerk "Wer wir sind" über den deutschen Widerstand gegen Hitler von der Kritik hochgelobt, stellte sich den Fragen der Teilnehmer und gab ihnen Tipps für den Weg in eine schriftstellerische berufliche Tätigkeit.
Am Ende konnten zufriedene Initiatoren auf eine gelungene Premiere von "Freistil" zurückblicken und ließen erkennen, dass sie sich eine Neuauflage des Autorenforums im nächsten Jahr durchaus vorstellen können. red