Gertrud Glössner-Möschk

Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist laut Statistik im letzten Jahr wieder gestiegen. Aber wer sind die Einbrecher? Am Montag saß der 23 Jahre alte Litauer Alex W. (Name geändert) auf der Anklagebank vor der Zweiten Strafkammer des Landgerichts Bamberg.


Im Phaeton geschnappt

Er ist am 21. Februar 2016 am Steuer eines VW Phaeton kontrolliert und festgenommen worden. Die Spurensicherer hatten seine DNA an sechs Tatorten festgestellt, wo in der Zeit zwischen 12. Dezember 2014 und 13. Februar 2016 Einbrüche verübt worden sind. Seine DNA war aus Eigentumsdelikten in Österreich aktenkundig.
Das Luxusauto, in dem W. seine Einbrecherkarriere vorläufig beendet hat, gehörte ihm nicht selbst, sondern, wie er dem Gericht sagte, einem Bekannten, der es gemietet hatte. Er selbst hätte sich einen solchen Wagen wohl auch nach den Beutezügen durch sechs Einfamilienhäuser nicht leisten können. Und zu Hause in Litauen, wo er mit seiner Mutter und dem jüngeren Bruder zusammenlebt, hat er noch 300 Euro Schulden.
Wie Alex W. zum Dieb und Einbrecher geworden ist, wurde in der Hauptverhandlung nicht in Einzelheiten geklärt. Sicher ist nur, dass die Serie - die ihn im Raum Bamberg nach Geisfeld, Scheßlitz und Wildensorg führte - nicht der Anfang seiner kriminellen Karriere war.
Wie der Angeklagte in seiner Muttersprache Litauisch berichtete - und Dolmetscher Heinz Josat übersetzte - absolvierte er nach zehn Jahren Schulausbildung eine Maurerlehre. Nach deren Abschluss arbeitete er in Schweden als Bauhelfer. Danach reiste er nach Dänemark, wo er wegen Diebstahls erstmals 60 Tage in Haft kam. Einige Zeit später hielt er sich in Österreich auf und wurde von einem Gericht in Wien-Neustadt wegen Diebstahls verurteilt: Er saß dort 90 Tage im Gefängnis.


Es begann mit Ladendiebstählen

In Deutschland, der nächsten Station seiner "Europa-Tournee", ließ er sich wieder zu Eigentumsdelikten hinreißen. Zuerst waren es nur Ladendiebstähle: Amtsgerichte in Erlangen und Seesen verurteilten ihn deswegen zu Geldstrafen. Weil er diese nicht bezahlen konnte, wurde die Untersuchungshaft, in der er seit dem 21. Februar sitzt, für mehrere mehrere Wochen Strafhaft unterbrochen.
Jetzt aber wurde es für ihn richtig ernst: Für die Einbruchsserie wurde er am Montag am Landgericht zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt.
Die Beute, die Alex W. bei seinen Streifzügen gemacht hat, war in den verschiedenen Häusern höchst unterschiedlich. Die von Vorsitzendem Richter Manfred Schmidt genannten Summen für den gestohlenen Schmuck, die Münzen, das Bargeld und die elektronischen Geräte addieren sich auf 38 000 Euro. Der entstandene Sachschaden beträgt etwa 12 000 Euro.
Sein üblicher Weg in die Häuser hinein führte durch die Terrassentüren, die er mit schweren Steinen durchschlug. In zwei Fällen, darunter der letzte in Geisfeld, stieg er durch das Kellerfenster ein.
Über seinen Verteidiger, Rechtsanwalt Andreas Winter, ließ er erklären, dass er die ihm zur Last gelegten Einbrüche begangen hat. Ob er dabei allein war, blieb offen. Zunächst ließ er mitteilen, er sei der einzige Täter und sei grundsätzlich allein gewesen. Dann korrigierte der Anwalt: "Zu etwaigen Mittätern gibt er keine Erklärung ab."
Das Geständnis ersparte der Kammer nicht nur einen zweiten Verhandlungstag, der ursprünglich für den 14. Juli vorgesehen war. Er brachte Alex W. bei der Strafzumessung auch einen Bonus ein. Das Gericht hielt ihm weiter zugute, dass er nur in Häuser eingebrochen sei, deren Bewohner nicht zu Hause waren. Außerdem sei er ohne deutsche Sprachkenntnisse besonders strafempfindlich.
Zu seinen Lasten rechnete das Gericht, dass der angerichtete Schaden zum Teil "erheblich" gewesen sei und Wohnungseinbrüche bei vielen Opfern auch psychische Beeinträchtigungen nach sich zögen.
Mit fünf Jahren Freiheitsstrafe bewege man sich laut Schmidt "etwa in der Mitte" der beiden Anträge von Oberstaatsanwalt Christopher Rosenbusch und des Verteidigers, Rechtsanwalt Winter.
Alex W. entschuldigte sich im Gerichtssaal bei den jeweiligen Zeugen, in deren Häuser er eingebrochen war. Mit seiner Entschuldigung wussten sie aber wenig anzufangen. Ein Hausbesitzer verweigerte leicht irritiert den von W. angebotenen Handschlag.