von unserem Mitarbeiter Markus Häggberg

Burgkunstadt — Von "nicht mehr aufholbaren Reiferückständen", sprach Staatsanwältin Melanie Krapf. Der junge Mann, den sie dabei anschaute, tat sich bislang nicht durch eine aktive Lebensführung hervor. "Er will überhaupt nichts ändern", schloss Melanie Krapf aus dem Lebenswandel des 20-jährigen Burgkunstadters. Der hatte bislang Erfahrungen auf dem Gebiet der Sachbeschädigung, Beleidigung und des Diebstahls gesammelt. Nun missbrauchte er am 1.1.2014 auch eine Notrufnummer der Polizei. Ein strafbares Delikt.
Dass er einfach nur habe "die Männchen zum Laufen bringen wollen", vermutete Amtsrichter Armin Wagner hinter dem Anruf des Angeklagten bei der Polizei. Denn als er den Wortwechsel verlas, der bei solchen Telefonanrufen immer aufgezeichnet wird, erschloss sich nicht die Sinnhaftigkeit des Anrufs. Mit dem Satz "In der Kulmbacher Straße (Burgkunstadt) ist ein Besoffener, der führt sich auf", eröffnete der 20-Jährige ohne Ausbildung und Job seinen Anruf.
Die Sachbearbeiterin der Dienststelle fragte, ob er verletzt worden sei. Daraufhin entgegnete der Gefragte: "Ich bin der Besoffene." Mit dem Satz "Ich schicke eine Streife hin" führte die Sachbearbeiterin das Gespräch weiter. Zu hören bekam sie ein "Ja, oder auch nicht." So unmotiviert der Anruf, so unmotiviert auch die Lebensführung des Mannes, der keine eigene Wohnung hat, noch 62 offene Sozialstunden ableisten müsste und nicht einmal Arbeitslosengeld beantragte. Als die Polizei ihn an Neujahr ausfindig machte und wegen des Wählens der 110 zur Rede stellte, soll der junge Mann nur mit einem "War blöd, nä?" geantwortet haben. Nicht nur, dass er offensichtlich nicht angetrunken war, er hätte auch nicht die Notrufnummer 110 wählen dürfen. Die nämlich versetzt Polizei in Alarm, wohingegen andere Telefonnummern auch ein Gespräch mit einer Dienststelle ermöglichen.

"Halt doch die Schnauze, Kerl"

In einer Reihe hinter dem Angeklagten saßen auch drei seiner Freunde. Während der Vernehmung durch Richter Armin Wagner schüttelten sie nicht selten ungläubig den Kopf. Zu kurios und naiv schienen ihnen die Antworten mitunter, was sie mit "Halt doch die Schnauze, Kerl" kommentierten. "Die ist kürzer, die kann ich mir merken", bemerkte der Angeklagte beispielsweise zu den Vorzügen einer Notrufnummer. Vier Wochen lang wird der Mann, der von sich sagt, "den Arsch nicht hoch zu bekommen", laut Urteil nun in Jugendarrest gehen.