90 Jahre ist es her, dass Grete Winkmann zur Welt kam. Geboren ist sie im westpreußischen Graudenz, also im heutigen Polen. Dort wuchs sie auf und ging zur Schule - als Halbwaise, denn ihre Mutter war bei ihrer Geburt gestorben. Gerade 13 Jahre war sie alt, als der Zweite Weltkrieg ausbrach.
Nach dem Krieg musste sie wie viele andere Vertriebene ihre Heimat verlassen. Sie kam zunächst in ein Auffanglager in Lübeck. Sie machte sich auf die Suche nach einer Cousine. Schließlich erfuhr sie, dass diese im Rheinland war. "Ich wollte schon immer ins Rheinland", sagt sie. Die rheinische Musik und Lebensart hatten ihr immer gefallen. So traf es sich gut, dass ihre Cousine ausgerechnet dort lebte. "Ich war ganz versessen darauf: Da will ich hin", erzählte Grete Winkmann an ihrem 90. Geburtstag. Dort fand sie ihren Mann, mit dem sie 35 Jahre lang verheiratet war, bis dieser an einer Herzerkrankung starb. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor.
Grete Winkmann lebte erst in Duisburg, bis sie in den 1990er Jahren nach Düsseldorf zog. Geheiratet hat sie nach dem Tod ihres Mannes nicht mehr. Durch eine ihrer Töchter kam es dazu, dass Grete Winkmann vor zwei Jahren ein weiteres Mal umzog, nämlich nach Haßfurt. Ihre beiden Töchter hatte es schon früher nach Franken gezogen, die Mutter hatte sie dort öfter besucht. Besonders die Kreisstadt Haßfurt hat ihr immer gefallen.
Als der Vorschlag kam, auch Grete Winkmann könne in die Region ziehen, um den "engen Kreis der Familie" wieder an einem Ort zusammenzubringen, war für sie klar: "Ich will nach Haßfurt." Hier wohnt sie nun mit ihrer Tochter, die andere Tochter lebt in Zeil.
"Ich hab' keine großen Krankheiten", sagt Winkmann, die für ihre 90 Jahre sehr fit ist. Nur ihre Augen und Ohren lassen nach, seit einigen Jahren ist sie auf Hörgeräte angewiesen. Früher war ihr großes Hobby das Lesen, das lassen mittlerweile aber ihre Augen nicht mehr zu. Ein weiteres Hobby war das Laufen und Wandern. So reiste sie früher jedes Jahr nach Meran, um in Südtirol zu wandern.
"Durch viel, viel Arbeit bin ich so alt geworden", sagt Grete Winkmann. In den schwierigen Kriegszeiten gab es keine Möglichkeit, eine richtige Ausbildung zu machen, also verdiente sie ihr Geld, indem sie putzen ging. So beschreibt sie sich als "einfache Arbeiterin". "Ich hab' immer gute Arbeit gehabt, es hat sich finanziell gelohnt", sagt die Jubilarin in Haßfurt. ps