Coburg — Schmerz, Wut, Trauer, Unverständnis und eine permanente Leere bleiben oft in den Herzen der Eltern und Kinder zurück, wenn geliebte Menschen plötzlich der Familie entrissen werden. Dabei spielt es auch keine Rolle, wie lange der geliebte Mensch schon nicht mehr bei einem sein kann.
Am vergangenen Samstag trafen sich am Falkenegg verwaiste Eltern und Kinder, um für ihre Verstorbenen einen Erinnerungs- und Lebensbaum zu setzen.
Einer Mutter wurden vor etwa fünf Jahren ihre Zwillinge genommen. Der Sohn erlebte seine Geburt nicht mehr lebend, und die kleine Tochter starb zwölf Tage später. Für die Mutter war das kaum auszuhalten, als ihr gut gemeinte Kondolenzwünsche wie "Ich versteh dich!" oder "Das wird mit der Zeit wieder gut!" zugesprochen wurden. Denn wer kann verstehen, wie eine Mutter fühlt, die ihre Kinder von jetzt auf gleich verlor?
Und auch nach fünf Jahren ist eben nichts wieder gut. Auch den Eltern, die vor 17 Jahren ihre Tochter verloren, oder dem Enkel, der seine Mutter verlor, ist mit noch so gut gemeinten Sprüchen nicht zu helfen. Eine andere Mutter verlor vor über einem Jahr ihre erwachsene Tochter, und ein Ehepaar trauert um seinen Sohn, der an einer Hirnblutung starb. "Er war Arzt", teilten die Eltern mit.
Doch trotz aller medizinischen Kompetenz bleibt eine Leere und die verzweifelte Frage nach dem "Warum?" Hier ist es gut, wenn man Menschen an der Seite hat, die ein ähnliches Schicksal erlitten haben und den schweren und langen Weg der Trauer- und Lebensbewältigung gegangen sind. Diese Menschen können ansatzweise das Leid und die Not der Betroffenen verstehen.


Bäume als Symbole

Helga Knirsch und Wera Will von der Selbsthilfegruppe "Verwaiste Eltern Coburg" und die Selbsthilfegruppe "Sternenkinder" pflanzten mit den trauernden Eltern und Kindern Trauer- und Lebensbäume, um auf diese Art und Weise ihren Toten zu sagen: "Wir lieben dich und sind in Gedanken immer bei dir."
Die Mutter der Zwillinge erzählte: "Hier kann ich meinen Kindern näher sein als am Grab. Ich komme ab und zu hierher und setze mich auf den Baumstamm. Hier ist es herrlich ruhig." Auch der Vater des kürzlich verstorbenen Arztes sagte: "Hier habe ich einen Platz, wo ich hin kann." Als die Eltern und Kinder die Bäume im Regenbogenwald setzten, zogen dunkle Wolken am Himmel auf und ab und zu versuchte ein Sonnenstrahl, die Wolkenwand zu durchbrechen, konnte jedoch lediglich am Rand die Düsternis etwas erhellen. Damit spiegelte das Wetter wohl unbewusst den seelischen Zustand mancher Eltern wider. Die Trauernden sandten am Samstag einen mit einer Botschaft oder dem Namen ihrer Lieben beschriebenen Herzluftballon in den Himmel.
Wer mit seiner Trauer nicht mehr alleine sein möchte, hat die Möglichkeit, sich an die Verwaisten Eltern Coburg zu wenden. Helga Knirsch und Wera Will sind selbst betroffene Mütter und unter den Telefonnummern 09563/1876 oder 09561/30240 zu erreichen. Die Mutter des verstorbenen Zwillingspärchens wies darauf hin, dass Frauen, die vorgeburtlich, während oder kurz nach der Geburt Kinder verloren hätten, oft nicht wüssten, wohin sie sich wenden könnten, und daher mit ihrem Leid oft jahrelang alleine seien. Die Selbsthilfegruppe "Sternenkinder" möchte derart betroffenen Müttern und Vätern gerne zur Seite stehen. Entweder über das Telefon unter 0151/262172 84 oder per E-Mail: sternenkinder-coburg@gmx.de kann man Mitglieder der Selbsthilfegruppe erreichen. Die Gruppe "Sternenkinder" trifft sich jeden dritten Mittwoch im Monat in den Selbsthilferäumen in der Neustadter Straße 3 in Coburg. em