Coburg — "Vertreibungen sind Unrecht - gestern wie heute." Unter diesem Motto begingen die Kreisgruppe Coburg des Bundes der Vertriebenen (BdV) und die Landsmannschaften im Coburger Land den 70. Jahrestag der Vertreibungen und Deportationen von Deutschen am Ende des Zweiten Weltkriegs.
Hauptredner beim Festakt im Kongresshaus war Landesvorsitzender Christian Knauer, der auch die aktuelle Flüchtlingsproblematik ansprach. Es würden oft unreflektierte, pauschale Vergleiche zwischen den deutschen Vertriebenen und denjenigen angestellt, die heute eine unterschiedlich motivierte Migrationsentscheidung treffen. "Die deutschen Heimatvertriebenen wissen, wie es ist, als Flüchtling in einer Gesellschaft anzukommen, da auch sie sie von Alteingesessenen vielfach als fremd und als Belastung wahrgenommen wurden", so Knauer.
Für viele Flüchtlinge sei es heute schwerer, weil sie aus anderen Kulturen kommen. "Ja, wir empfinden Empathie mit den Opfern heutiger Kriegsgeschehen, weil wir wissen, wie es ist, die Heimat zwangsweise zu verlieren. Die Todesangst der Passagiere auf der sinkenden ,Gustloff' war genauso groß wie bei den Flüchtlingen im überfüllten und kenternden Schlauchboot auf dem Mittelmeer", so Knauer.


"Vergleich ist verletzend"

Jedoch sei der Vergleich der aktuellen Zuwanderung mit den ethnischen Säuberungen und Vertreibungen der Nachkriegszeit verletzend, da er das Vertreibungsunrecht relativiere. Asylbewerber aus dem Westbalkan müssten schneller und konsequenter abgewiesen werden. Und: "Die Staatengemeinschaft muss jene, die Terror und Gewalt anwenden und verbreiten, in die Schranken weisen." Terrororganisationen müsste man die Waffen aus den Händen schlagen und die Nachschubwege abschneiden, so Knauer. "Wie lange will man noch mehr oder minder halbherzig zusehen, wie die halbe Bevölkerung einer stolzen Nation sich auf der Flucht befindet?"
Kreisvorsitzender Manfred Jenke meinte, dass viele Mitglieder momentan "die schrecklichen Bilder von Flucht und Vertreibung wieder vor Augen" hätten. Schirmherr Oberbürgermeister Norbert Tessmer ließ wissen, dass sich weltweit täglich 42 000 Menschen auf die Suche nach einer neuen Heimat begeben. Nach dem Zweiten Weltkrieg seien Coburg rund 15 000 Flüchtlinge zugewiesen worden, sodass die Einwohnerzahl von 32 500 auf rund 50 000 gestiegen sei. Aktuell suchten 510 Asylbewerber in Coburg Schutz.
Umrahmt wurde die Veranstaltung durch die Stadtkapelle Coburg, die Banater Trachtengruppe aus Rödental und Harald Tischer aus Rödental, der ein Mundartgedicht vortrug.
Am Tag der Heimat würdigte der BdV auch die Verdienste von Erwin Schledz, Georg-Hans Forner, Gottfried Hanke, Maria Römich und Roman Seidl. dav