Von den mehr als 500 Plätzen in der Stadthalle waren nahezu alle besetzt. Stephan Endres vom Nürnberger Ingenieurbüro Miller erklärte sämtliche Aspekte zur gesplitteten Abwassergebühr. In Kürze: Künftig wird die Beseitigung von Schmutz- und Niederschlagwasser zweiteilig abgerechnet.
Um die Gebühren für Niederschlagswasser zu berechnen, hat das Ingenieurbüro aufwendig ein Flächenkataster erstellt und einen sogenannten mittleren Grundstücksabflussbeiwert ermittelt. Jeder Grundstückseigentümer hatte im Vorfeld einen Lageplan sowie die ermittelten Werte für sein Grundstück bekommen, zu denen er nun schriftlich Stellung nehmen soll.
Die gesplittete Abwassergebühr ist Pflicht, der Großteil der Bürger sieht das ein. Bei der Gebührenberechnung gab es jedoch Unklarheiten. Bis dato hat die neue Gebühr zwar viele Zahlen, aber noch kein Preisschild. Erst wenn die Rückmeldungen vollständig sind, kann die neue Gebühr berechnet werden. Nach dem von Ingenieur Endres vorgestellten Berechnungskonzept bleiben die Gebühren für Privathaushalte wahrscheinlich gleich oder sinken sogar - lediglich Eigentümer mit großen versiegelten Flächen müssen mit drastischen Erhöhungen rechnen, beispielsweise Gewerbegebiete oder Einkaufszentren.
Gebührengerechtigkeit sei das Ziel des Gesetzgebers, so Endres. Eine Bürgerin erntete Applaus, weil sie fragte: "Was kostet die Umstellung auf das neue System? Wird dieser Betrag auf die Bürger umgelegt?" Kämmerin Heike Eber zufolge wird er das, und zwar in der nächsten Kalkulationsperiode über vier Jahre. Die Vergabe an Fremdfirmen koste rund 100 000 Euro. Dazu komme der laufende Mehraufwand an Verwaltungskosten.
Ein weiteres heikles Thema war die rückwirkende Einführung der neuen Gebühr zum 1. Januar 2015. "Das ist meiner Meinung nach ein Witz", so der Kommentar einer Bürgerin, deren Grundstück in der Altstadt liegt. Viele Leute würden aufgrund des Bonus' für Rückhaltesysteme eine Zisterne bauen wollen, hätten aber keine Möglichkeit gehabt, frühzeitig zu reagieren. Ein anderer Bürger forderte die Burgkunstadter sogar auf, sie sollten sich "auf die Hinterbeine stellen und Klage einreichen". Aber genau auf diese Art kam die rückwirkende Einführung der neuen Abwassergebühr zustande.
Bürgermeisterin Christine Frieß erklärte: "Die Verwaltung wollte ursprünglich die neue Gebühr zum 1. Januar 2017 einführen, der Stadtrat hat das jedoch mehrheitlich abgelehnt." Daraufhin hatten verschiedene Bürger beim Verwaltungsgericht in Bayreuth Rechtsmittel gegen diese Abstimmung eingelegt. So sei der Stadtrat gezwungen gewesen, einen Mehrheitsbeschluss zu fassen. Sonst hätten rechtliche Konsequenzen gedroht.
Endres zufolge sind Regenwasserrückhaltesysteme wie Zisternen ein wichtiger Punkt. Solche, deren Überlauf im Garten versickert und nicht in den Kanal läuft, seien nicht relevant. Bei solchen mit Überlauf in den Kanal sei die Fläche voll gebührenpflichtig. Jedoch vergebe die Stadt einen Bonus.
Pro Kubikmeter Nutzvolumen würden 25 Quadratmeter von der abflusswirksamen Fläche abgezogen. Das Rückhaltesystem müsse allerdings dauerhaft angebracht sein und ein Volumen von mehr als vier Kubikmetern besitzen.
Verwaltung und Ingenieurbüro forderten die Bürger auf, möglichst zeitnah mitzuteilen, ob die Werte in dem Schreiben stimmen oder nicht. Auch wenn keine Einwände bestehen, solle der Haken an entsprechender Stelle gesetzt und das Formular zurückgeschickt werden, auch um Missverständnisse zu vermeiden.