Die dritte Fastenpredigt in der Basilika griff das Thema "Flüchtlinge" auf. Richard Reich, Geschäftsführer Kreiscaritasverband Lichtenfels, berichtete, dass derzeit hier 266 Asylbewerber in Gemeinschaftsunterkünften und 363 in dezentralen Wohnungen lebten. Hinzu kämen noch 47 unbegleitete Minderjährige im Alter von 14 bis 18 Jahren, die in Einrichtungen der Jugendhilfe lebten. "Als Christen stehen wir in besonderer Verantwortung für einen menschlichen Umgang mit Flüchtlingen", betonte Reich. Schutzbedürftigen Flüchtlingsgruppen wie traumatisierte, weibliche, minderjährige, alte und behinderte Flüchtlinge fänden bei der Beratungsarbeit eine besondere Berücksichtigung. Im Bereich der Netzwerkarbeit gehe es um den Aufbau von Unterstützungskreisen und die Förderung einer gelebten Willkommenskultur, erläuterte der Geschäftsführer.


Kulturelle Identität erhalten

Ein wichtiges Anliegen sei es auch, Asylsuchende unter Wahrung ihrer kulturellen Identität bei der gesellschaftliche Integration zu begleiten, machte Reich deutlich. Richard Reich gab einige Beispiele der täglichen Caritasarbeit. In der Flüchtlingsunterkunft Weismain werde eine traumatisierte jesidische Mutter aus dem Irak betreut, ihr Mann sei enthauptet und eine Tochter erschossen worden. Die 14- bis 18-jährigen Akram, Yasin, Tarik, Amir und Samir kämen aus den Kriegsregionen Syrien und Irak. Sie hätten in ihrer Heimat und auf der gefährlichen Flucht menschenverachtende Erfahrungen gemacht. In einer Jugendhilfeeinrichtung habe die Caritas für die Jugendlichen einen Paten gefunden. Heranwachsenden Asylbewerbern seien Ausbildungsstellen in den Bereichen Hoch- und Tiefbau, Anlagemechanik, Zahnarzthelfer, Kfz-Techniker, Lackierer und Polsterer vermittelt worden. Flüchtlinge besuchten auch das Bildungszentrum Vierzehnheiligen für Ernährung und Versorgung.
Unser Glaube sei Richtschnur des Handelns, war der Fastenprediger überzeugt. "Nehmen wir die Flüchtlinge als Menschen wahr mit ihren Ängsten und Hoffnungen. Lassen wir die bösartigen Klischees hinter uns. Geben wir den verleumderischen und zerstörenden Hetzparolen keinen Raum und zeigen wir Solidarität", forderte er die Gläubigen auf. awe