Zum Thema Windkraftanlagen am Rainberg bei Küps :

Was im Süden des Landkreises Kronach zur Zeit passiert, ist in hohem Maße unsolidarisches Verhalten im Rahmen der Energiewende. Nach Fukushima waren sich alle - endlich - einig, dass wir unsere Atomkraftwerke (AKW) abschalten sollten. Aber müssen wir deshalb blindlings bei der nächsten Dummheit mitmachen?
Wollen wir es wirklich zulassen, dass am Rainberg eine monströse und 200 Meter hohe Windkraftanlage mit einer Kapazität von 12,5 MW errichtet wird, die dann maximal 25 Prozent ihrer Kapazität ausschöpfen wird? Kein wirtschaftlich denkendes Unternehmen würde ein Windkraftwerk an einem Ort bauen, der nur eine Auslastung von 25 Prozent zulässt.
Geradezu um organisierte Verbrauchertäuschung geht es, wenn man den Leuten weismacht, man würde hier Strom in der Region für die Region produzieren.
Tatsache ist hingegen, dass hinter den geplanten Anlagen in Küps systematisch unsolidarisches Verhalten steckt. Warum?
Wir alle im Landkreis Kronach zahlen (von berechtigten Ausnahmen wie der Glasindustrie abgesehen) einen Zuschlag auf unsere Stromrechnung, die sogenannte EEG-Umlage. Die Finanzierung der Energiewende stünde damit eigentlich auch auf stabilen Füßen.
Was am Rainberg passiert, ist nach meinen Informationen allerdings folgendes: Der Strom wird als sogenannter "Eigenstrom" in das Netz der Mannheimer Stadtwerke eingespeist, um dort die "Straßenbahnen" mit billigem Strom zu versorgen - die Information von wegen "Strom für 10 000 Haushalte" war glatt irreführend, wenn nicht gar gelogen! Ein Verkehrsbetrieb schleicht sich auf diese Weise weitgehend aus der EEG-Umlage und lässt den Landkreis Kronach "die Zeche" zahlen, anstatt sich seinen Eigenstrom zum Beispiel von den eigenen Dächern zu holen? Wo ist hier "St.Florian" in Mannheim oder im Landkreis Kronach?
Eigenstrom auf dem Dach unserer Bauern - selbstverständlich, dafür wird nicht ein einziger Baum umgeholzt! "Eigenstrom" der Stadtwerke Mannheim aus dem Frankenwald? - Wir sollen unsere Wälder opfern, um die Fahrkarten des Mannheimer ÖPNV mitzufinanzieren?
Wir alle zahlen - brav und mehr oder weniger einsichtig - unsere EEG-Umlage, lassen uns das Tor zum Frankenwald verschandeln, um es dadurch der Stadt Mannheim zu ermöglichen, die Umlage zu umgehen und billigen Strom für ihre Straßenbahn zu haben? Wenn, dann würde ich schon eher erwarten, dass diese Monster einen Beitrag zum ÖPNV im Landkreis Kronach leisten oder der Gemeinde Küps dabei weiter helfen, ihre eigenen Verkehrs- oder Finanzprobleme zu lösen.
Je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr komme ich zu einem für mich völlig eindeutigen Ergebnis. Wir werden hier organisiert nach Strich und Faden hinters Licht geführt und sonst gar nichts.
Dieses Projekt hat weder etwas mit Ökologie und schon gar nichts mit Gesundheit zu tun. Gesunden Strom gibt es nur in einer Form - als nicht verbrauchten. Was hätten (und haben mit Recht) die Grünen einem Vertreter der Atomlobby erzählt, wenn er mit dem Argument gekommen wäre, "zu Schäden der Atomenergie gibt es keine wissenschaftlichen Belege!" Ich nehme mal an: "Seid Ihr noch zu retten!"
Für jeden Kinderwagen braucht es bei uns eine "Unbedenklichkeitsprüfung" - aber für Windkraftanlagen? Es gibt angeblich keine Studien! - Seid Ihr noch zu retten?
Helmut Schiffner
Kronach