Manfred Wagner

Wenn vor dem Amtsgericht in Haßfurt eine Verhandlung wegen Körperverletzung angesetzt ist, handelt es sich oft um Schlägereien in einer Diskothek oder Kneipe. Mitunter jedoch, wenn es zwischen Mann und Frau besonders heftig kracht, geht es auch um häusliche Gewalt. Die kürzlich behandelte Strafsache drehte sich ebenfalls um Vorgänge im familiären Rahmen.
Auf der Anklagebank saß ein 45-jähriger Vater, weil er laut Anklageschrift seine beiden Buben geschlagen hatte - mit einer Fliegenklatsche. Der bereits wegen Körperverletzung vorbestrafte und unter laufender Bewährung stehende Mann wurde zu einer empfindlichen Geldstrafe von 1125 Euro verurteilt.
Es war der Frühsommer im Jahr 2015, so die Staatsanwältin Kerstin Harpf in ihren Ausführungen, als der damals im Maintal lebende Arbeiter in mindestens zwei Fällen seine beiden Buben - damals sieben und neun Jahre alt - körperlich gezüchtigt haben soll.
Laut Anklageschrift hatte er in einem Fall den älteren der beiden mit der flachen Hand auf den Hinterkopf geschlagen. Bei einem zweiten Vorfall ging es darum, dass der Vater beide Sprösslinge auf den Po und auf die Oberschenkel geschlagen haben soll - mit einer Fliegenklatsche aus Plastik. Dieses "Tatwerkzeug" stufte die Staatsanwaltschaft als "gefährliches Werkzeug" ein. Der Anklagevorwurf lautete folgerichtig: gefährliche Körperverletzung.
Rechtsanwalt Bernhard Langer protestierte heftig und erfolgreich gegen diese Bewertung seitens der Anklagebehörde. Er verwies dabei auf das, was die einzige Zeugin - nämlich die vom Angeklagten getrennt lebende Ehefrau - im Gerichtssaal ausgesagt hatte.
Tatsächlich hatte sie geschildert, dass die Buben des Öfteren laut und mitunter aggressiv miteinander gestritten hätten und dass dann ihr von der Schichtarbeit gestresster Ex-Mann mit "Klapsen" eingegriffen habe. "Es handelte sich mitnichten um ein jahrelanges Martyrium", sagte der Verteidiger zusammenfassend.


Flucht ins Frauenhaus

Die Anwältin der Noch-Ehefrau, die als Nebenklägerin mit im Raum saß, sah in dem Angeklagten jedoch alles andere als ein Unschuldslamm. Sie erinnerte daran, dass ihre Mandantin - nachdem die eheliche Situation im Sommer 2015 "völlig eskaliert" sei - Anfang September 2015 vor ihrem Mann ins Kölner Frauenhaus geflohen war.
Die dortigen Mitarbeiterinnen hätten bestätigt, dass vor allem das jüngere Kind massiv unter Angstzuständen gelitten habe. Aus ihrer Sicht sei dies ein erschreckender Hinweis darauf, dass die Kleinen "jahrelang psychischer und physischer Gewalt" ausgesetzt gewesen seien.
Zu der öffentlichen Hauptverhandlung war es nur deswegen gekommen, weil der Angeklagte gegen einen Strafbefehl des Staatsanwalts über eine Geldstrafe von 100 Tagessätzen à 30 Euro, also 3000 Euro, Einspruch eingelegt hatte.
Die relativ hohe Anzahl der Tagessätze resultierte aus der Tatsache, dass der Mann bereits zwei Mal wegen Körperverletzung verurteilt wurde. In einem Fall handelte es sich dabei um eine Kneipenschlägerei, das andere Urteil beruht auf seinen gewalttätigen Übergriffen gegenüber seiner Frau. Zudem stand er zum Zeitpunkt der "Fliegenklatscherei" unter laufender Bewährung.
Wer weiß, ob es ohne diese stark belastenden Umstände überhaupt zu einer öffentlichen Anklage gekommen wäre. Um den beiden Kindern, die ja die Hauptbetroffenen waren, eine Aussage im Zeugenstand zu ersparen, einigten sich die Juristen in einer Verfahrensabsprache auf einen gemeinsamen Strafrahmen. Auf dieser Grundlage fällte Amtsrichterin Ilona Conver das Urteil wegen zweifacher Körperverletzung: 75 Tagessätze zu je 15 Euro.
Aufgrund der Absprache konnten die Parteien nicht ad hoc auf Rechtsmittel verzichten. Sein letztes Wort nutzte der Mann für eine Entschuldigung und wünschte seiner Ex-Frau "alles Gute für die Zukunft".